Finanzielle Freiheit – Teil 1: Aufbau des Kapitalstocks

1. Einleitung

Finanzielle Freiheit ist eines der großen Trendthemen unserer Zeit und ein tiefsitzender Wunsch vieler Menschen. Manche möchten am liebsten garnicht mehr arbeiten, um nur noch den eigenen Hobbies nachgehen zu können, oder mehr Zeit haben, zu verreisen oder einfach das Leben ohne Zwänge zu genießen. Doch auch für Menschen, die ihren Job lieben, kann ein zusätzlicher Einkommensstrom ein Segen sein aus vielerlei Gründen.

Wann immer ich mit früheren Kollegen oder Chefs darüber sprach, dass ich darauf hinarbeite, einmal finanziell unabhängig zu werden und mein Leben generell anders zu gestalten, wurde ich nur unglaubwürdig angeschaut und die Standardantwort war: „das haben schon viele versucht, aber das schafft sowieso keiner“.

Ist finanzielle Freiheit also unerreichbar? Nein, sie ist sogar sehr real, wenn man es richtig angeht und die richtige Strategie hat. Wer jedoch denkt, dass dies ohne Arbeit, Einsatz und Selbstmotivation ganz von alleine schafft, irrt sich ebenfalls. Finanzielle Freiheit bedeutet eben nicht keine Arbeit, sondern in erster Linie selbstbestimmte Arbeit und Arbeit für sich selbst, anstatt Arbeit für jemand anderen. Was ich heute tue, kann ich kaum als Arbeit bezeichnen, denn ich freue mich auf jeden einzelnen Tag, an dem ich mir meine eigenen Ziele setzen kann und jeden Tag etwas Neues lerne, anstatt stupide Standardprozesse abzuarbeiten. Ich bin weder abhängig von einem Chef, noch von Kollegen, Terminen oder muss mich um Dinge kümmern, in denen ich keinen Sinn sehe.

Dieser Guide ist die Essenz meiner eigenen Erfahrungen auf dem Weg zur finanziellen Freiheit so wie ich ihn gegangen bin. Mit Anfang 30 habe ich damit begonnen, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Seitdem ich 37 bin, kann ich mir nicht nur meinen Lebensunterhalt durch Investieren finanzieren, sondern baue stetig meinen Kapitalbestand durch Investitionen in ausgewählte Aktien weiter aus.

Die hier dargestellten Strategien und Meinungen unterscheiden sich größtenteils von dem, was man sonst so liest. Weder bin ich ein extremer Frugalist, der auf alles verzichtet, noch ein Optionstrader, der versucht, sich sein Vermögen durch extreme Risiken aufzubauen im Sinne von „get rich or die tryin“. Ich beschreibe hier einen Mittelweg, natürlich in Abhängigkeit von Voraussetzungen wie Gehalt, Bildung etc. , um innerhalb einiger Jahre eine materielle zusätzliche Einkommensquelle durch Investieren aufzubauen, die neue Lebensmöglichkeiten eröffnet und den Standardjob sogar irgendwann völlig obsolet werden lassen kann.

In Teil I dieser mehrteiligen Serie geht es primär um die Möglichkeiten, sich einen Kapitalstock möglichst schnell und effizient aufzubauen, Teil II thematisiert dann die Optimierung der Rendite.

2. Finanzielle Freiheit: Eine Frage des Charakters

Ganz am Anfang steht die Frage: was will ich mit meinem Leben anfangen? Was ist mir wichtig? Was will ich erreichen und was bin ich bereit, dafür zu tun? Keine Sorge, dies ist kein Standardselbsthilfe- und motivationsbuch, dass dem Leser vermittelt, er müsse nur an sich selbst glauben, um alles zu erreichen. Diese Heileweltvorstellung ist kontraproduktiv, denn einem muss klar sein, dass der Weg zu finanzieller Freiheit kein Selbstläufer ist. Es ist mit harter Arbeit, Einsatzbereitschaft und vielen Herausforderungen auf dem Weg verbunden. Außerdem ist dieser Weg besonders für Leute geeignet, die unabhängig und selbstbestimmt in der Lage sind, sich Ziele zu setzen und diese mit aller Energie zu verfolgen. Wer aber bereit ist, sich diesem herausfordernden Weg zu stellen, wird langfristig überproportional belohnt werden, denn das Potential von finanziellem Kapital wächst über die Zeit während das Potential von Humankapital mit zunehmendem Alter abnimmt.

2.1. Lebensprioritäten

Sich finanziell unabhängig zu machen erfordert Opfer, sowohl in zeitlicher, als auch in finanzieller Hinsicht. Nicht jeder ist bereit, sich tagtäglich neben dem Job mit Investitionen auseinanderzusetzen oder auf ein großes schickes Haus, ein dickes Auto oder andere materielle Dinge zu verzichten. Ob oder wie schnell jemand letztendlich erfolgreich darin sein wird, sich finanziell unabhängig zu machen, hängt stark von der Bereitschaft der jeweiligen Person ab, andere Dinge zumindest zeitweise aufzugeben.

Menschen haben unterschiedliche Prioritäten im Leben. Für manche sind es Kinder, die Familie, für andere ist es die eigene Karriere, Aufstieg, Statussymbole und Macht. Ich erinnere mich an viele Gelegenheiten, in denen mir bewusst wurde, dass ich in mancher Hinsicht anders bin oder Dinge aus einer anderen Perspektive betrachte als viele andere Leute.

Eines Tages kam eine Kollegin ins Büro und war außer sich vor Freude. Stolz zeigte sie Bilder ihrer neuen Couch umher und sie bekam viel Zuspruch. Alle waren interessiert und wollten wissen, wo sie diese gekauft habe. Meine erste Frage hingegen war jedoch, wieviel sie dafür ausgegeben habe. Sie antwortete „8000 EUR, aber das sei ja auch eine langfristige Investition“. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht vor Schreck vom Stuhl zu fallen. Mein erster Gedanke war: „8000 EUR für eine Couch, die über die Jahre abgenutzt wird und deren Wert in dieser Zeit gegen 0 läuft – was für eine Verschwendung“. Gleichzeitig war dieselbe Kollegin der Meinung, dass Börse reiner Zock sei und dass man Müll wie Bitcoin bloß nicht kaufen solle.

Es steht mir in keinster Weise zu, jemanden kritisieren zu wollen, der sich gerne schöne Dinge kauft, denn jeder hat eben andere Lebensprioritäten und denkt einfach anders. Viele Menschen sagen auch, sie wollen ihr Leben jetzt genießen. Der berühmte Spatz in der Hand eben und von Tauben halten die meisten sowieso nicht viel. Für jemandem, der so denkt, ist dieser Guide höchstwahrscheinlich jedoch nicht geeignet.

Was mir persönlich wichtiger ist als materielle Dinge sind Selbstbestimmung und Freiheit. Ich brauche weder das Gefühl von Macht im Job, noch brauche ich ein teures Autos oder überhaupt ein Auto, teure Markenklamotten oder sonstiges. Das Wissen, dass ich auch an einem Montag machen kann, was ich gerne möchte und dass ich mir all diese Dinge jederzeit leisten könnte, wenn ich es wollte, macht mich glücklich. Ich brauche kein riesiges Haus, sondern ich möchte lieber selbst entscheiden, wann ich arbeite und was ich tue. Ich möchte die Freiheit haben, einfach mal einen oder zwei Monate zu verreisen, ohne dass ich zählen muss, wieviele Urlaubstage ich noch übrig habe. Ich will nicht den Zwang verspüren, jeden Tag einen Anzug tragen zu müssen und mich unbequem mit anderen Leuten morgens in die U-bahn zwängen zu müssen.

Also, Du musst selbst entscheiden, was Dir wichtig ist!

2.2. Selbstoptimierung

Es überrascht mich immer wieder auf Menschen zu treffen, die scheinbar nichts dazulernen und selbst nach Jahrzehnten an der Börse immer noch dieselben Fehler zu machen scheinen. Teuer kaufen, günstig verkaufen. Sie entwickeln sich nicht weiter. Anstatt den eigenen Horizont zu erweitern, investieren sie ein Leben lang in Dax Werte und bewerten Unternehmen nur nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis unabhängig von den Hintergründen oder Potentialen. Sie kaufen blind Aktien, die in Magazinen empfohlen werden, anstatt sich selbst tiefergehendes Bild des Unternehmens zu machen.

Geistige Flexibilität und Selbstreflektion ermöglichen es, eigene Fehler zu erkennen und sie abzustellen. Die Bereitschaft, sich Fehler einzugestehen, diese zu verstehen und zu beseitigen, ist die Grundlage für den langfristigen Erfolg an der Börse. Es steht zweifellos fest, dass jeder Fehler an der Börse macht und dass selbst bei den besten Investoren fast die Hälfte ihrer Ideen nicht zum Erfolg führen. Daher ist es wichtig, solche Ideen und Strategien, die nicht funktionieren, durch Alternativen zu ersetzen, die funktionieren und dies unentwegt zu tun. Nur auf diese Weise wird man besser.

Kreativität und Interesse an Neuem ermöglichen es, über den Tellerrand hinauszuschauen und alternative Wege zu finden, die besser funktionieren. Die Neugierde nach neuen Unternehmen, neuen Technologien und neuem Wissen führt einen in völlig neue Gedankengalaxien. Wer diesen Weg des unstillbaren Interesses immer weiter geht, wird in ein paar Jahren zurückblicken und sein altes Ich nur noch als verstaubte Erinnerung im Rückspiegel betrachten.

2.3. Selbstkontrolle

Ein berühmtes Sprichwort an der Börse besagt: erst kommen die Schmerzen, dann das Geld. Dies ist nicht nur eine weit hergeholte Weisheit, sondern sie trifft wortwörtlich zu. Vorwürfe und Selbstzweifel nach Fehlentscheidungen sind tatsächlich nur mit realen Schmerzen gleichzusetzen und nicht einfach zu ertragen. Diese Schmerzen ertragen zu lernen und sich von ihnen nicht zur Aufgabe überwältigen zu lassen, gehört mit zum Spiel dazu.

Um es gleich vorwegzunehmen, kaum Jemand wird wie Warren Buffet als der ideale Investor geboren. Dies liegt zum großen Teil daran, dass das, was notwendig ist, um erfolgreich an der Börse zu sein, in fundamentaler Weise dem Wesen des Menschen widerspricht. Insbesondere sich ein Verhalten anzutrainieren, dass dem natürlichen Verhalten des Menschen grundlegend widerspricht, ist eine jahrelange Aufgabe.

Fallende Kurse lösen bei den meisten Menschen Angst und damit den Fluchtmechanismus aus, der uns Menschen zwar seit tausenden von Jahren vor dem Aussterben bewahrt, aber uns an der Börse ruiniert. Gleiches gilt auch für den Mechanismus des Menschen, anderen zu folgen, was man als Herdentrieb bezeichnet. Als Gruppe fühlt man sich stärker und die Bestätigung von anderen in Foren gibt einem neue Zuversicht doch die Gruppe ist meistens nicht smarter als der einzelne. Besser ist es sich abseits der Hauptmeinung seine eigene Meinung unbeeinflusst von der Emotionalität der Mehrheit zu bilden, die auf Fakten basiert.

PS: Dies gilt natürlich nicht für diesen Club ;)…

2.4. Mut

Ein fester Job schränkt zwar die eigene Freiheit ein, doch man darf sich nichts vormachen, er ist auch ein Sicherheitsnetz. Damit meine ich nicht nur das feste Gehalt, das zuverlässig monatlich auf dem Konto ankommt und in der Regel kaum Unsicherheit bietet, sondern auch die Notwendigkeit, wirklich Leistung zu bringen, die über den Standard hinausgeht, verfliegt meist nach einer kurzen Phase anfänglicher Motivation. Selbst wenn man mal einen Fehler im Job macht, ist dies meist nicht das Ende der Welt im Land des Kündigungsschutzes.

Der Kapitalmarkt hingegen ist eine völlig andere Welt. Kapitalismus in seiner reinsten Form. Er kennt kein Sicherheitsnetz aus arbeitnehmerfreundlichen Gesetzen, sondern bestraft jeden Fehler. Es gibt nur Gewinner oder Verlierer. Man ist hier völlig auf sich alleine gestellt und muss als einsamer Überlebenskünstler bestehen. So wie es möglich ist, mit dem Kapitalmarkt reich zu werden, kann man auch arm werden. Allein den Schritt dazu zu wagen, erfordert Mut.

Viele Menschen versuchen pseudosicher zu investieren, indem sie in vermeintlich sichere Unternehmen investieren, die durch regelmäßige Dividendenzahlungen und oder durch ihre lange Existenz und ihren Ruf als sicheres Unternehmen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Der Schein trügt allerdings, denn Sicherheit erkauft man sich durch langsames oder oft negatives Wachstum, was letztendlich die langfristige Bestandsfähigkeit des eigenen Kapitalstocks gefährdet. Diese Form des Investierens ist sehr viel risikoreicher als viele glauben.

Es ist unerlässlich, einen gewissen Grad an Mut zu haben, um auch in junge Unternehmen zu investieren, die eben keine Dividenden zahlen und die durchaus auch scheitern können. Dabei gilt es Mut mit Besonnenheit zu kombinieren und in Unternehmen mit den besten Chance/Risiko Verhältnissen zu investieren. Auch muss man entschieden zugreifen, wenn sich Chancen bieten beispielsweise bei deutlich fallenden Kursen.

Der fundamentale Bestandteil einer jeden Investition ist Unsicherheit. Das Ziel kann es nicht sein, Unsicherheit vollkommen zu vermeiden, sondern diese basierend auf dem bestmöglichen Wissensstand einzuschätzen und entsprechend zu nutzen.

3. Sackgasse Frugalismus

Frugalisten drehen jeden Cent nicht einmal, sondern zweimal oder noch viel häufiger um. Ihr Motto heißt „Freiheit vor allem anderen“ und manchmal bekommt man den Eindruck „Freiheit vor Leben“. Sie sind bereit zur Erfüllung ihres Traums auf nahezu alles zu verzichten. Miniwohnung, kein Ausgehen, kein Urlaub und man fragt sich, ist das wirklich die Art von „Freiheit“, die erstrebenswert ist?

Dieser etwas ironische Ton soll nicht verkennen, dass man Frugalisten für ihre Disziplin bewundern muss. Den meisten Menschen fällt es äußerst schwer zu verzichten. Sie genießen lieber heute und denken nicht an Morgen. Einem anderen Extrem folgen Frugalisten: lieber nicht an heute, sondern nur an morgen denken. So diszipliniert dies auch ist, so fehlgeleitet ist die reine Fokussierung aufs Sparen eben leider auch. Wer bei jeder noch so kleinsten Anschaffung ständig darüber nachgrübelt, ob er dies nun tatsächlich braucht und ob er nicht noch mal 10 Cent sparen kann, dem entgehen nicht nur viel wichtigere Dinge im Jetzt, sondern der verschwendet auch Zeit und geistige Kapazität auf irrelevante Kleinigkeiten.

Nicht schwäbische Erbsenzählerei (tut mir Leid, liebe Schwaben) ist gefragt, sondern Entscheidungsfreude. Das gilt fürs Sparen wie fürs Investieren. Frugalisten fangen meist sehr früh an zu sparen und sie sparen über viele Jahre bis manche von ihnen es schaffen, sich einen Kapitalstock anzusparen, von dem sie ihr Minileben finanzieren können, zumindest für einige Jahre. Doch der Frugalismus in seiner reinsten Form hat große Schwächen, denn die meisten Frugalisten nutzen ihren Kapitalstock nicht effizient. Sie sind so sehr aufs noch und nöcher Sparen fokussiert, dass sie die Optimierung der Rendite größtenteils vernachlässigen. Meist investieren sie lediglich in niedrig verzinste Wertpapiere oder ETFs mit einstelligen Renditen. Der Konservatismus der Frugalisten fordert seinen Preis. Die Risikobereitschaft und der Wille, die Einkommensseite zu optimieren, sind bei Frugalisten sehr oft nur in sehr geringem Maße ausgeprägt.

Sparen ist eine Notwendigkeit, keine Frage, aber wer nur spart ohne Renditeoptimierung wird immer sparen müssen. Ein Fußballteam, dass nur auf die Defensive fokussiert ist und keine Risiken eingeht, um auch mal ein Tor zu schießen, wird nie eine Meisterschaft gewinnen. Zu sparen ist enorm effizient, solange der Kapitalstock klein ist. Je größer er jedoch wird, desto wichtiger wird die Rendite und umso irrelevanter wird die Sparrate. Rendite ersetzt ab einem gewissen Punkt völlig die Notwendigkeit zu sparen.

Das größte Manko der Frugalistenbewegung (mit sehr wenigen Ausnahmen) ist eben die Nichtbeachtung des Potentials von Renditeoptimierung. Langfristig hat man damit einen viel höheren Hebel als mit dem reinen Sparansatz und Minirenditeinvestitionen, wie wir im späteren Teil dieses Artikels noch wesentlich deutlicher sehen werden.

Einer der bekanntesten Frugalisten, in Deutschland schreibt über die Börse:

„Sie liefern keine konstanten Erträge. Mal geht es sieben Jahre hintereinander nur bergab, dann geht es ein Jahr vielleicht gleich 30 % oder sogar 50 % aufwärts. Nur im langfristigen Durchschnitt, über viele Jahre hinweg, sind mit Aktien Renditen von etwa 5 % im Jahr möglich (nach Abzug der Inflation).“

Frugalisten.de

„Selbst wenn die Börsen morgen zusammenbrechen und es nie wieder Zinsen oder andere Kapitalerträge geben würde: Auch ohne jede Rendite und bei 2 Prozent Inflation würde dein angespartes Vermögen schon rund 20 Jahre lang ausreichen. Mehr als genug Zeit also, in der du erstmal ausspannen, die Füße hochlegen und dich in Ruhe nach neuen Möglichkeiten umsehen kannst.“

Frugalisten.de

4. Den Kapitalstock aufbauen

Unser Ziel kann es nicht sein, einen Kapitalstock aufzubauen, den man dann hinterher über die Jahre ausgibt, ohne dabei eine nennenswerte Rendite zu erzielen, bis man nichts mehr übrig hat. Wer beispielsweise über einen Kapitalstock von 600.000 EUR verfügt und diesen zinslos auf dem Konto belässt, hat bei jährlichen Ausgaben von 30000, also 2500 EUR pro Monat schon nach 17 Jahren kein Geld mehr. Es sind nicht 20, sondern 17 Jahre, weil man Inflation berücksichtigen muss und einen der Zinseszins der Inflation schneller auffrisst als man denkt.

Niemand kann sein Lebensalter voraussagen und wer möchte schon gerne alt wie Metusalem werden, um dann mittellos zu sein. Daher muss unser oberstes Ziel sein, einen Kapitalstock aufzubauen, der eine Rendite erwirtschaftet, die hoch genug ist, um nicht nur die Lebenshaltungskosten zu finanzieren, sondern den Kapitalstock nach Geldentwertung zumindest aufrecht zu erhalten, sodass dieser auch in unbegrenzter Zukunft weiter Rendite erwirtschaften kann. Optimaler ist es, wenn wir es sogar schaffen, den Kapitalstock über die Zeit noch weiter zu erhöhen. Dadurch steigt einerseits das Sicherheitsgefühl und andererseits sinkt die prozentuale Rendite, die man erwirtschaften muss, um den Kapitalstock aufrecht zu erhalten.

Uns stehen mehrere Instrumente zur Hand, um uns einen Kapitalstock aufzubauen und den jährlichen Zuwachs des Kapitalstocks zu steuern. Welche dies sind, wird aus der folgenden Formel ersichtlich.

Kapitalstockzuwachs = Einnahmen (Arbeit oder sonstige) + Rendite aus Kapitalstock – Ausgaben

Der Kapitstockzuwachs sollte in jeder Lebensphase positiv sein und möglichst maximiert werden. Um dies zu erreichen, können wir entweder unsere Einnahmen erhöhen, unsere Ausgaben reduzieren oder unsere Rendite maximieren. Sicherlich kann man alles gleichzeitig tun, doch es ist wichtig zu verstehen, dass je nachdem wie groß der Kapitalstock bereits ist, die unterschiedlichen Maßnahmen unterschiedlich effizient sind. Alles gleichzeitig zu tun ist richtig, aber trotzdem kann man den Zuwachs beschleunigen, indem man bestimmten effizienteren Maßnahmen mehr Aufmerksamkeit und Zeit widmet.

Zunächst stelle ich in den nächsten Abschnitten Ideen vor, wie man Einnahmen und Ausgaben optimieren kann. Dies ist besonders relevant für diejenigen, die gerade erst anfangen zu sparen oder noch einen sehr kleinen Kapitalstock ihr eigen nennen. Renditeoptimierung wird umso wichtiger, je größer der Kapitalstock wird. Im darauffolgenden Abschnitt geht es dann darum, eine optimale Kapitalaufbaustrategie zu definieren. Das Thema Renditeoptimierung wird aufgrund seines Umfangs im nächsten Artikel ausführlicher besprochen.

4.1. Einnahmen optimieren

Die Möglichkeiten zur Einnahmenoptimierung hängen stark von der jeweiligen Lebenssituation, dem Ausbildungsgrad und dem jeweiligen Job ab. Der geradlinigste Weg läuft über die möglichst effiziente Steigerung des Gehalts. Die besten Chancen, höhere Gehälter zu erzielen, hat man sicherlich mit einem Studium und dem Aufstieg in Positionen mit höherer Verantwortung. Mit zunehmender Erfahrung im Job steigt der Wert der eigenen Arbeit und mit ihm sollte ebenfalls das Gehalt steigen.

Dennoch gibt es Möglichkeiten aktiv Gehaltssteigerungen zu beschleunigen. Dazu gehört die vermehrte Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und Überstunden zu machen, aber auch gezielte externe Jobwechsel mit deutlicheren Gehaltssteigerungen und entsprechendem Selbstmarketing. Oft hält der Gehaltszuwachs bei Verweilen im selben Unternehmen nicht mit dem eigenen Erfahrungs- und Verantwortungszuwachs stand. Wie bei Aktien auch, bedarf es eines Katalysators, um den höheren Wert der eigenen Arbeit als Gehaltssteigerung zu realisieren. Auch führt insbesondere ein häufigerer Wechsel in den beruflichen Anfangsjahren zu einer breiteren Wissensbasis. Meiner Erfahrung nach flacht sich der Kenntniszuwachs in derselben Position relativ schnell ab. Durch eine Optimierung des Wissenszuwachses optimiert man auch gleichzeitig den eigenen Marktwert.

Letztendlich ist dies aber nur ein denkbarer Weg. Für manchen anderen kann es ideal sein, auf eine Führungsposition im selben Unternehmen hinzuarbeiten. Die Möglichkeiten und besten Strategien sind sehr stark von der individuellen Situation abhängig. Es geht aber primär darum, Bequemlichkeit zugunsten von höheren Gehältern aufzugeben und auch mal das Risiko des Jobwechsels zu wagen. Risikobereitschaft wird auch hier durch eine höhere Rendite kompensiert.

Wichtig ist auch, sich nicht zu verstecken, sondern aktiv und regelmäßig Gehaltssteigerungen einzufordern und zu zeigen, was man kann, und falls sich der Chef langfristig querstellt, entsprechende Konsequenzen zu ziehen und nach alternativen Wegen zu suchen. Ich kenne viele Leute, die mit mir zusammen studiert haben und die nie das Unternehmen wechselten. Während ich innerhalb von wenigen Jahren mein Anfangsgehalt verdoppeln und darüber hinaus steigern konnte, verdienen sie heute lediglich 20-30% mehr als zu Beginn. Es gibt also tatsächlich große Unterschiede.

Neben einer optimierten Karriere können sich auch Nebeneinkünfte aus einem Zweitjob genauso bezahlt machen. Auch hier im Club gibt es Beispiele von Leuten, die sich selbstständig gemacht haben, Unternehmen gründeten oder einfach einen Online Shop nehmen dem Hauptjob betreiben. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

4.2. Ausgaben reduzieren

Sparen bedeutet nicht, auf alles zu verzichten und sich bei jeder noch so kleinen Ausgabe Gedanken darüber zu machen, ob man sich das nun leisten will oder nicht. Es geht eher darum, die größten Ausgabenpositionen zu minimieren oder sogar zu eleminieren, wenn möglich. Ganz oben auf der Liste stehen Anschaffungen, die große Kapitalmengen binden, aber entweder an Wert verlieren oder kaum Wertzuwachs bringen. Die zwei größten Hebel zum Geldsparen sind die Bereiche Wohnen und Transport.

Die beste Möglichkeit, richtig Geld zu sparen ist im Bereich Wohnen. Auch wenn Immobilien immer noch als gute Kapitalanlage in Deutschland gelten, ist eine selbstgenutzte Immobilie wohl der größte Bremsstein, wenn es darum geht, finanziell frei zu werden. Häuser sind etwas Schönes, klar. Eigener Garten zum Grillen und etwas Reales, was man sein eigen nennen kann. Faktisch ist dieses „sein eigen nennen“ jedoch nichts weiter als eine Illusion, denn solange das Haus nicht abbezahlt ist, gehört einem garnichts. Sollte man mit dem Abbezahlen in Verzug kommen, fällt das Haus an die Bank. Zinsen und Instandhaltungskosten erodieren die Rendite möglicher Wertsteigerungen soweit, dass in der Regel die Rendite einer eigengenutzten Immobilie negativ ist. Man gibt also mehr Geld aus als die Immobilie am Ende beim Verkauf wert ist. Gleichzeitig wird der größte Teil des Einkommens in der Immobilie gebunden und kann keinerlei Rendite in Alternativinvestitionen erwirtschaften und das über Jahrzehnte.

Wer zur Miete wohnt hat hingegen die Wahl, sein Geld frei anzulegen. Doch auch hier gibt es jede Menge Optimierungspotential. Gerade wer gerade damit beginnt, seinen Kapitalbestand aufzubauen, kann sich im frugalistischen Sinne dafür entscheiden, zumindest zeitweise in einer kleinen, günstigen Wohnung zu wohnen. Am besten macht man dies gleich zu zweit mit dem Partner oder mit Freunden, denn so spart man faktisch die Hälfte oder noch mehr der Mietkosten ein. Bei den meisten Menschen machen die Mietkosten den größten Teil der fixen Kosten aus. Insofern ist auch der Hebel beim Sparen am größten.

Der nächste Punkt ist das eigene Auto. Wer ein Auto hat, der kann sich kaum vorstellen, ohne eines auszukommen und das obwohl das Auto im Grunde genommen eines der schlechtesten Investments überhaupt ist, denn ein Auto bringt keinerlei Rendite, von seltenen Sammlerstücken einmal abgesehen. Wer sich ein neues Auto oder einen Jahreswagen leistet, der bezahlt für etwas, das innerhalb weniger Jahre den größten Teil seines Wertes verliert. Wer auf dem Land wohnt braucht ein Auto, kauft sich aber dann lieber ein gebrauchtes und auch nicht unbedingt den BMW. Gleichzeitig spart man auf dem Land Mietkosten ein. Öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad sind am günstigsten und halten dazu noch fit.

Darüber hinaus sollte man eben auch nicht jedem Konsumwunsch nachgeben, sondern sich generell fragen, was einem wirklich wichtig ist und für welche Dinge man deshalb eher Geld ausgibt, während man bei anderen eher sparsam ist. Mir persönlich ist z.B. ein guter Computer wichtig, weil ich ihn zum arbeiten benötige. Auch war ich nie geizig bei Büchern und würde auch nicht auf Urlaube verzichten. Stattdessen habe ich kein Auto, kein eigenes Haus und eine mittelgroße Wohnung, in der ich nicht alleine wohne. Ich denke jeder hat so seine Lieblingsdinge, auf die man sich konzentrieren kann.

5. Der optimale Weg zu finanzieller Freiheit

Der erste Tag zum Aufbau des eigenen Vermögens. Investment Bücher kaufen und loslegen? falsch! An erster Stelle steht die Festlegung der optimalen Strategie, um den Kapitalstock innerhalb der kürzesten Zeit zu maximieren. Welche Maßnahmen am optimalsten sind, hängt im Wesentlichen von der Höhe des vorhandenen Kapitalstocks ab und von den Fähigkeiten als Investor eine möglichst hohe Rendite zu erzielen.

5.1. Kleiner oder kein Kapitalstock

Jemand mit geringem oder keinem Vermögen braucht zunächst einmal kaum auf die Rendite zu achten, denn X% von fast nichts ist fast nichts und XX% von fast nichts ist ebenfalls fast nichts. Rendite spielt bei ganz kleinen Kapitalstöcken keine nennenswerte Rolle. Wer z.B. über 10.000 EUR verfügt und darauf 5% (nach Steuern) Rendite p.a. erzielt, macht 500 EUR Gewinn. Schafft jemand 10% Rendite, dann wären das 1000 EUR Gewinn, pro Jahr.

Eine optimalere Strategie wäre es jedoch zunächst einmal alle Gedanken auf die Optimierung der Sparquote zu fokussieren, die Einnahmen zu maximieren und die Ausgaben zu minimieren. Wer es z.B. schafft, seine Sparrate von 500 EUR auf 1000 EUR pro Monat zu verdoppeln, der erhöht seinen Kapitalstock im ersten Jahr um 6000 EUR, was einer Rendite von 60% auf das Grundkapital von 10.000 EUR entsprechen würde. Selbst erfahrene Investoren erzielen in den seltensten Fällen Renditen in dieser Höhe. Die Maximierung der Sparrate sollte also den größten Teil der Zeit in Anspruch nehmen in dieser Phase des Aufbaus.

5.2. Mittlerer bis hoher Kapitalstock

Hat jemand einen höheren Kapitalstock und erzielt darauf eine relevante Rendite, ändert sich die Perspektive. Mit verfügbaren 100.000 EUR zum Investieren und einer Rendite von 10% (nach Steuern) sind dies bereits 10.000 EUR. Die Rendite gewinnt nun also höheres Gewicht als die Sparquote von 6000 EUR. In dieser Phase wird es zunehmend sinnvoller, mehr Zeit auf den Ausbau der Fähigkeiten als Investor zu verwenden als beispielsweise darauf befördert zu werden.

6. Sensitivitätsanalyse

Um noch einmal etwas besser zu verdeutlichen, welche Rolle die Höhe des Startkapitals und der Rendite für die Relevanz der Sparquote im Verhältnis zur Rendite hat, habe ich den Anteil der Sparquote und Rendite am Vermögenszuwachs visualisiert. Sichtbar sind zwei Kurven, die Sparrate (blau) und die Rendite (orange) und ihr jeweiliger Anteil am jährlichen Vermögenszuwachs. Umso höher dieser Wert ist, desto wichtiger ist die jeweilige Rate.

6.1. Der Einfluss des Startkapitals

Die folgenden Graphen zeigen den Einfluss der Höhe des Startkapitals bei konstanter Rendite von 10%.

Startkapital: 0, Zins: 10%

Eigene Darstellung

Startkapital: 30000, Zins: 10%

Eigene Darstellung

Startkapital: 55000, Zins: 10%

Eigene Darstellung

In den ersten Jahren des Vermögensaufbaus ist die Sparrate wichtiger als die Rendite. Die Sparrate fällt in ihrer Bedeutung über die Zeit, während die Rendite in ihrer Relevanz steigt. Die Lage des Schnittpunkts zeigt, nach wievielen Jahren die Sparrate durch die Rendite als wichtigstem Faktor abgelöst wird. Umso höher das Startkapital ist, umso schneller wird dieser Schnittpunkt erreicht.

Ohne Startkapital benötigt man 8 Jahre zum Erreichen des Schnittpunktes, während ein mit 10% verzinstes Startkapital von 55.000 EUR die Zeit bis zum Break Even auf die Hälfte reduziert.

6.2. Der Einfluss der Rendite

Die folgenden Graphen zeigen sich die Veränderung der obigen Kurven durch den Einfluss der Höhe des Startkapitals bei einer höheren Rendite von 20%.

Startkapital: 0, Zins: 20%

Eigene Darstellung

Startkapital: 30.000, Zins: 20%

Eigene Darstellung

Startkapital: 55.000, Zins: 20%

Eigene Darstellung

Eine Kombination aus höherem Startkapital und höherer Rendite verkürzt den Zeitraum bis zum Break Even zwischen Sparrate und Rendite noch deutlicher. Das ergibt auch Sinn, denn die Kapitalrendite ist rechnerisch das Ergebnis der Multiplikation aus Rendite % und Kapitalstock. Werden beide Größen gleichzeitig erhöht, so ist der multiplikative Gesamteffekt höher als der summierte Effekt der Erhöhung einer einzelnen Größe.

Resultat:

Die beste Strategie ist es, primär diejenige Rate zuerst zu fördern, die den größten Teil zum Kapitalzuwachs beisteuert. Solange die Sparrate überwiegt, macht es Sinn diese maximal zu erweitern. Mit wachsendem Kapitalstock steigt die Rendite aus dem Kapitalstock und übertrifft ab einem gewissen Punkt die Sparrate. Je wichtiger die Rendite wird, desto weniger Sinn macht es, die Sparrate weiter zu fördern und man sollte sich zunehmend auf die Optimierung der Rendite konzentrieren.

Die Zeit bis zum Break Even zwischen Sparrate und Rendite kann maximal verkürzt werden durch höheres Startkapital in Verbindung mit höherer Rendite. Wer also bereits mit hohem Startkapital beginnt, sollte gleich von Anfang an versuchen, die Rendite zu optimieren, während er weiter spart. Es macht dann aber weniger Sinn viel extra Zeit auf Gehaltssteigerungen zu verwenden. Stattdessen sollte die Zeit eher darauf verwendet werden, die Fähigkeiten als Investor zu optimieren.

7. Der Zinseszins als mächtiger Verbündeter

Wer Rendite also jährlichen % auf das eingesetzte Kapital am Jahresanfang sieht, denkt zu kurz, denn ein mächtiger Verbündeter beim Kapitalaufbau blieb bislang unerwähnt: der Zinseszins. Wer sich etwas mit Kartendeck Spielen auskennt, der weiß, dass die mächtigsten Zauber jene sind, deren Effekte sich aufstapeln und gegenseitig verstärken oder durch Multiplikatoren mehrfach ausgelöst werden. Den Zinseszins umgibt in der Tat etwas, was man eigentlich nur als Zauberei bezeichnen kann. Auch nach Jahren hat meine Faszination für dieses Naturphänomen nicht nachgelassen. Selbst Einstein bezeichnete den Zinseszinseffekt mit den folgenden Worten: „Der Zinseszins ist das achte Weltwunder. Wer ihn versteht, verdient ihn; wer es nicht tut, zahlt ihn“.

Das Problem mit dem Zinseszins und seiner Kraft ist, dass ihn ein gewöhnlicher Sparer kaum wahrnimmt, denn zum einen gibt es keine Zinsen mehr auf Konten, zum zweiten tritt er umso stärker in Erscheinung je höher die Rendite ist und zum dritten halten die meisten Leute beim Sparen und Investieren nicht lange genug durch, um ihn tatsächlich in relevanter Weise wahrzunehmen. Wenn wir bei unserem Kartendeck Spiel bleiben, dann tritt der Zinseszins materiell erst im Late Game richtig zu Tage. Nicht umsonst, nennt man ihn Zinseszins. Am Anfang hat man noch kaum Zinsen, auf die man weitere Zinsen verdienen könnte.

In Bezug auf unsere Vermögenskurven aus dem letzten Kapitel bedeutet dies, dass der Zinseszins erst beginnt eine materielle Rolle zu spielen, nachdem der Break Even bereits überschritten wurde und die Rendite beginnt, den größten Teil des Vermögenszuwachses auszumachen. Einen detaillierten Artikel zum Zinseszins gibt es hier.

Wie bedeutend der Zinseszins wird, verdeutlichen die folgenden Grafiken. Es handelt sich um Bruttowerte, also vor Abzug von Zinsen, Transaktionskosten oder Inflation (die Nettokurven haben etwas geringere Steigerungsraten), aber dennoch werden einige Dinge auf visuellem Wege deutlich klarer.

Vermögen nach 30 Jahren mit 10% Rendite

Eigene Darstellung

Vermögen nach 30 Jahren mit 20% Rendite

Eigene Darstellung

Vermögen nach 30 Jahren mit 30% Rendite

Eigene Darstellung

Was man feststellen kann, sind folgende Dinge:

1.) Der Zinsenzins entfaltet seinen Einfluss umso stärker je länger der Investitionszeitraum ist.

2.) Entscheidend für die Steigung der Kurve und damit den Endwert des Vermögens ist langfristig nicht die Höhe des Anfangskapitals, sondern nahezu ausschließlich die Rendite.

Daraus ergeben sich zwei ganz entscheidende Schlussfolgerungen

1.) Sparen steht nur am Anfang und wird irgendwann völlig durch Rendite ersetzt.

2.) So unglaublich es erscheinen mag, aber durch die richtige Nutzung des Zinseszinses und die Optimierung der Rendite kann man Geld aus Geld erschaffen.

Um eine alternative Analogie zu wählen: während Sparer, Frugalisten und Fondsanleger lediglich mit konventionellen Antrieben durch unser Sonnensystem scheppern und maximal die äußeren Planeten erreichen, bauen wir uns ein Sternenschiff, das uns, ausgestattet mit der schier unendlichen Energiequelle einer Singularität (schwarzes Loch), zu anderen Galaxien bringen wird, die Millionen von Lichtjahren entfernt sind.

Was wir dafür brauchen ist Rendite, Rendite, Rendite!

8. Fremdkapital für Extra Speed

Wann immer ich in meinem Bekanntenkreis das Thema Kredit und Aktien zusammen in den Mund nehme, werde ich in den allermeisten Fällen nur mit großen Augen, schrägen Blicken und voller Unverständnis angeschaut, als sei es allein eine Sünde, das Thema auch nur anzuschneiden. Das folgende Zitat verdeutlicht, wie Vorurteile und Unverständnis der Materie zu Fehlannahmen und der absoluten Ablehnung dieser zusätzlichen Möglichkeit zum Aufbau des Kapitalstocks führen.

Ich würde es niemals in Erwägung ziehen, meine Aktien als Sicherheit für den Kredit zu stellen. Der Grund dafür ist einfach: Wenn die Ampel auf Rot springt und alles fällt, fallen auch deine beliehenen Aktien. Dann verkauft die Bank deine Aktien zu einem Spottpreis, während du alles verlierst und noch die Schulden abtragen musst, die übrig bleiben.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um die Vorurteile gegenüber kreditfinanzierter Aktienanlage zu relativieren und zu verdeutlichen, weshalb ich sehr wohl und erfolgreich Lombardkredite nutze, um temporär meinen Kapitalstock zu erhöhen und damit schneller und früher die volle Kraft des Zinseszinseffekts nutzen zu können. Dies ist weder verrückt, noch sonderlich gefährlich, wenn man weiß, was man tut und Fremdkapital nur kontrolliert und unter bestimmten Bedingungen nutzt.

8.1. Kreditaufnahme in Deutschland ist zu emotionsgesteuert

Die ablehnende Einstellung gegenüber Aktienkrediten verwundert, wenn man bedenkt, dass Deutschland eben nicht nur ein Land der Sparer ist, sondern Kreditaufnahme für andere Zwecke, wie z.B. zur Finanzierung des Eigenheims oder zur Finanzierung von Autos und anderen Luxusartikeln weit verbreitet und in der breiten Bevölkerung anerkannt ist. Dabei widerspricht die Aufnahme von Krediten für Dinge, die entweder keine oder sogar eine negative Rendite bringen, jeder Logik und ist nur mit der emotionalen Bindung an die erworbenen Dinge zu erklären ist.

Fast jeder, der ein Eigenheim kauft, finanziert dieses größtenteils mit Fremdkapital. Dieser Verhaltensweise liegt der verständliche Wunsch nach einem schönen Zuhause und Platz für die Familie zugrunde, aber größtenteils eben auch die Fehlannahme, dass eigengenutzte Immobilien gute Investitionen seien, die stetig an Wert gewännen. Dabei zeigen Studien, wie diese Langzeitstudie von Credit Suisse, unmissverständlich, dass unter Berücksichtigung aller Kosten eigengenutzte Immobilien eine negative Rendite aufweisen.

On a population-weighted basis, and extrapolating index coverage to rural as well as city locations, real house prices have appreciated by approximately 0.4% per year before costs and quality adjustments.
On a quality-adjusted basis, the net capital gain is approximately –2.1% per year in real terms

Die Differenzierung in der Akzeptanz von Kreditaufnahmen für den Kauf von Aktien versus Immobilien liegt wohl weitestgehend in der Akzeptanz dieser Anlageklassen in der breiten Bevölkerung begründet. Immobilien gelten grundsätzlich als sicher, preisstabil und als etwas von Wert, was man anfassen kann, etwas reales eben. Aktien hingegen gelten als Zock, als volatil, gefährlich und unzuverlässig in ihrer Wertentwicklung. Dass dies so ist, liegt vermutlich zu einem Großteil in unserer konservativen Kultur begründet, aber auch an der Tatsache, dass es für Aktien einen viel transparenteren Markt gibt als für Immobilien.

Die Vorstellung, dass Immobilien sichere (im Gegensatz zu Aktien) Anlagen seien, lässt eben viele Fakten aus. Einerseits haben die Subprime Krise und andere Phasen mit stark sinkenden Preisen in der Vergangenheit gezeigt, dass Immobilienpreise genauso fallen wie steigen können. Auch ist ein fremdfinanzierter Immobilienkauf mit hohen Verlustrisiken verbunden, sobald beispielsweise ein Jobverlust eintritt oder andere Lebenskrisen eintreten, die dazu führen, dass die Raten nicht mehr beglichen werden können. Das Klumpenrisiko ist zudem enorm. Eine der Grundprinzipien der Aktienanlage ist Diversifikation: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Doch genau dies tut man mit einem kreditfinanzierten Immobilienkauf, alles in einen Korb und zwar nicht nur jetzt, sondern meistens auch fast alles, was man in den nächsten 30 Jahre verdienen wird im voraus. Wenn ich darüber nachdenke, bin ich mal derjenige, der große Augen bekommt.

Die Kritik an Krediten als Investitionsgrundlage basiert auf der Unkenntnis des richtigen Einsatzes und einem Unverständnis über den Charakter von Investitionen. Für Unternehmer ist es beispielsweise völlig normal, einen Teil ihres Geschäfts mit Fremdkapital zu finanzieren. Eine kreditfinanzierte Aktienanlage ist nichts anderes und ist wohl am ehesten mit dem Vorgehen eines Unternehmers zu vergleichen. Genau wie der Unternehmer auch, investiert der Investor fremdfinanziertes Kapital, um langfristig die eine Rendite erwirtschaften können, welche die Kreditzinsen deutlich übersteigt.

Die wichtigste Grundvoraussetzung für den sinnvollen Einsatz eines Kredits zur Aktienanlage ist die Fähigkeit, eine Rendite zu erwirtschaften, welche die Kreditzinsen deutlich übersteigt. Wer nun darüber nachdenkt, einen mit 3% finanzierten Kredit in einen Fonds mit 5% erwarteter Rendite zu investieren oder in Dividendentitel, die ebenfalls lediglich 5% auszahlen, aber kaum Wachstum aufweisen, sollte an dieser Stelle besser sofort abbrechen. Für 2% nicht garantierte Renditedifferenz rentiert sich solch ein Modell einfach nicht. Es rentiert sich, wenn man das Geld stattdessen in ein Portfolio aus Unternehmen investiert, die mit 20% oder mehr wachsen und langfristig großes Potential haben.

8.2. Fehler, die man vermeiden sollte

Kredit ist jedoch nicht gleich Kredit. Die bekannteste und meist verwendete Form kreditfinanzierter Aktienanlage sind sogenannte Margin Accounts. Auf margin lassen sich schon kleine Kapitalstöcke extrem Hebeln. Viele Banken wie beispielsweise CFD Brokers oder auch Robinhood, Tradedesk und viele andere überfluten das Internet mit ihrer Werbung. Sie suggerieren, dass man schon mit kleinen Einsätzen riesige Summen verdient werden könne. Wie fehlgeleitet und gefährlich solche Angebote sind, wurde erst kürzlich wieder deutlich. Ein unerfahrener Trader wollte in den Kapitalmarkt einsteigen und endlich auch mal richtig mitverdienen. Mit seinem frisch eröffneten Robin Hood Margin Account konnte er ohne nennenswertes Eigenkapital Optionen im Wert von $700.000 kaufen, die sich dann, wer könnte es ahnen, anders als er erwartet entwickelten hatten, sodass die Bank seine Position zwangsverkaufte, da diese nicht mit Eigenkapital gedeckt war. Plötzlich stand er mit $700.000 Schulden da. Das tragische Ende dieses Wahnsinns kann nur als mahnendes Beispiel dienen, niemals Margin Accounts zu nutzen.

Bevor der werte Leser sich nun nach diesem abschreckenden Beispiel abwendet, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um darzulegen, wie man richtig mit geliehenem Geld umgeht. Das Robin Hood Beispiel ist allerdings hilfreich, um aufzuzeigen, wie man es nicht machen sollte.

Zur temporären Erweiterung meines Kapitalbestandes nutze ich einen Lombardkredit meiner Hausbank. Die Bank ordnet jeder Aktie im Depot einen prozentualen Beleihungswert zu. Beispielsweise kann man DAX Aktien mit 70% beleihen, während kleinere Aktien und ausländische Titel wesentlich geringere Beleihungswerte aufweisen.

Hat man beispielsweise 100 Aktien von Bayer im Depot, kann man sich auf diese Aktien 70 EUR leihen, um davon mehr Aktien kaufen zu können. Diese zusätzlichen Aktien könnte man theoretisch wieder beleihen. Sinkt der Wert der Aktien z.B. auf 80 EUR, sinkt auch der Beleihungswert auf 56 EUR. Hat man also 100% des Beleihungswertes ausgeschöpft, kann man in die Bredouillie kommen, weil das Fremdkapital, dass man sich geliehen hat, den Beleihungswert überschreitet. Das hat zur Folge, dass man zunächst höhere Zinsen zahlen muss als sonst und Gefahr läuft, dass die Bank weitere Sicherheiten verlangt oder sogar Aktien zwangsverkauft. Im Vergleich zum Margin Account werden bei einem Lombardkredit viel geringere Mengen Fremdkapital zur Verfügung gestellt. Es wäre niemals möglich, sich 700.000 EUR ohne Eigenkapital zu leihen, und schon garnicht auf Optionen, die überhaupt keinen Beleihungswert aufweisen.

Dennoch ergeben sich auch bei einem Lombardkredit materielle Risiken, sofern man sich ohne Strategie einfach mal Geld leiht. Wie bei Gift auch, kann der unkontrollierte Einsatz zum Tod führen, während der kontrollierte Einsatz als Heilmittel dienen kann.

8.3. Meine Kreditanlagestrategie

Bevor man darüber nachdenkt, sein Depot mit Fremdkapital aufzupeppen, gibt es einige Dinge, die man beachten muss.

8.3.1 Grundvoraussetzungen für die Kreditaufnahme

1.) Bevor man Fremdkapital aufnehmen möchte, sollte man wissen, was man tut und bereits ein erfolgreicher Investor sein, der bewiesen hat, dass er langfristig eine über dem Kreditzinssatz liegende Rendite erwirtschaften kann.

Wie bereits zuvor erwähnt, lohnt sich Fremdkapital nur dann, wenn man ein Investor ist, der überdurchschnittliche Renditen erzielen kann, die deutlich über den Kreditzinsen liegen. Mit deutlich meine ich mindestens 10% darüber. Um den Spread zu vergrößern, muss man einerseits seine Rendite möglichst maximieren (dazu mehr in Teil II) und andererseits kann man auch den Zinssatz mit der Depotbank verhandeln, anstatt einfach den fix vorgegebenen Zins zu akzeptieren. Ich erhalte als langjähriger Kunde bei meiner Bank einen sehr viel vorteilhafteren Zinssatz als wohl die meisten anderen, weil ich aktiv danach gefragt habe.

2.) Man benötigt genügend Eigenkapital, um problemlos auch bei nachgebenden Kursen keine Aktien verkaufen zu müssen, sodass der Beleihungswert immer deutlich über dem aufgenommenen Fremdkapitalbestand liegt. Das Eigenkapital sollte immer ein vielfaches des Fremdkapitals ausmachen.

Das bedeutet ohne Eigenkapital kein Fremdkapital. Fremdkapital ist also nur für diejenigen geeignet, die bereits einen Kapitalstock ihr eigen nennen. Um sicherzustellen, dass man niemals in Bedrängnis kommt, sollte man bei der Ermittlung der maximal beleihbaren Betrages immer vom Worst Case bei der Aktienkursentwicklung ausgehen. Selbst wenn die Aktienkurse deutlich sinken sollten, muss der Beleihungswert immer deutlich über dem Fremdkapitalbestand bleiben.

3.) Kaufe niemals irgendetwas anderes als Aktien auf Kredit, insbesondere keine Hebelprodukte.

Hebelprodukte lassen sich bei Deutschen Banken meist überhaupt nicht beleihen. Man könnte aber natürlich den Aktienbestand beleihen und damit Hebelprodukte kaufen. Solche Ideen muss man tunlichst vermeiden, mal davon abgesehen, dass der Kauf von Hebelprodukten auch ohne Fremdkapital keine besonders smarte Idee ist.

8.3.2 Strategischer Einsatz des Fremdkapitals

Kredit ist ein Hebel und man kann ein Trumpf im Ärmel sein. Der Einsatz lohnt sich nicht jederzeit und es macht Sinn, diesen je nach Marktsituation aktiv zu steuern. Der idealste Einsatzpunkt ist der in einem Crash, wie wir ihn vor kurzem beobachten konnten.

9. Wieviel Kapital benötigt man, um von seinem Kapitalstock leben zu können?

Es gibt Leute, die ihren Job lieben und daher Aktienanlage eher als Nebeneinkunftsquelle sehen. Dann gibt es andere, die gerne etwas früher aufhören würden zu arbeiten oder/und sich eine zusätzliche Rente sichern wollen. Und dann gibt es diejenigen, die am liebsten so früh es irgendwie möglich wäre Vollzeit Investor werden wollen (ich zähle mich zur letzten Gruppe).

Speziell für die dritte Gruppe stellt sich somit die wichtige Frage: Wieviel Kapital benötige ich eigentlich, um meinen alten Job an den Nagel hängen zu können?

Die Antwort auf diese Frage hängt von mehreren Faktoren ab:

1.) der Höhe der monatlichen Ausgaben

2.) der Inflationsrate

3.) der durchschnittlichen Rendite

Frugalisten wenden relativ blind die sogenannte 4% Regel an. Sie nehmen an, dass man etwa das 25-fache der jährlichen Ausgaben als Kapitalstock zur Verfügung haben muss, um davon leben zu können. Wenn jemand also 16.000 EUR im Jahr ausgibt, dann bräuchte er nach dieser Rechnung 400.000 EUR und eine jährliche Rendite von 4%, um seinen Kapitalstock nominal langfristig aufrechtzuerhalten, aber trotzdem genügend Geld zum Leben zu haben.

Ich sehe das anders. Zum einen kann ich kaum von 16.000 EUR leben, davon kann ich kaum meine Miete in der Großstadt bezahlen. Zum anderen berücksichtigt diese Berechnungslogik die Inflationsrate nicht, denn faktisch verringert sich in dieser Rechnung der reale Wert des Kapitalstocks um 2% pro Jahr. Mit meinen 16.000 EUR kann ich mir entweder jedes Jahr weniger kaufen oder ich muss mehr aus meinem Kapitalstock entnehmen.

Man benötigt also einen Kapitalstock, der groß genug ist, um eine Rendite zu erwirtschaften, die ausreicht, um die eigenen Lebenshaltungskosten (inklusive Inflation) zu decken und die Inflationsrate des Kapitals berücksichtigt. Angenommen man hat jährliche Ausgaben von 30.000 EUR und verfügt über einen Kapitalstock von 500.000 EUR. Erzielt man eine durchschnittliche Rendite von 5%, so sind dies vor Steuern 25.000 EUR, was nicht ausreichend wäre. Entweder muss eine höhere Rendite her oder man braucht nach wie vor Zusatzeinkünfte.

Wer eine höhere Rendite erwirtschaftet, braucht einen geringeren Kapitalstock. Wer zusätzlich noch Fremdkapital nutzt, um teilweise die Aktienanlage zu finanzieren, benötigt ebenfalls einen geringeren Kapitalstock. Aus meiner persönlichen Sicht heraus würde ich jedoch nicht völlig auf sonstige Einkünfte verzichten, solange ich nicht einen Kapitalstock habe, der mir nicht nur meine Kosten deckt und die Inflation meiner Kosten, sondern auch in der Lage ist, sich weiter zu vergrößern in der Zukunft. Die Zukunft ist ungewiss und wir wissen nicht, was sich ändert. Möglicherweise steigen in der Zukunft die Steuern auf Kapitalerträge oder die Inflationsrate oder andere Dinge passieren, mit denen wir nicht gerechnet haben. Daher ist es sinnvoll und beruhigender, einen Kapitalstock zu haben, der mehr erwirtschaften kann, als wir jetzt brauchen.

Hier sind einige Beispielrechnungen, die sowohl Steuern, als auch Inflationsrate berücksichtigen. Die grün markierten Szenarien sind solche, die ich als sicher erachten würde. Wie man sehen kann, benötigt man bei Ausgaben von ca. 30.000 EUR im Schnitt einen Kapitalbestand von 500.000 – 1.000.000 EUR, der mit einer durchschnittlichen Rendite von 15% verzinst wird und dem Einsatz von 20% Fremdkapital, der mit 3% verzinst wird.

Das sind nur durchschnittliche Szenarien. Andere Personen haben höhere oder geringere Ausgaben und müssen dies in ihrer Berechnung anpassen. Auch sind Renditen von 15% aus meiner Sicht eher durchschnittlich. Wer richtig investiert, kann auch deutlich höhere Renditen erwirtschaften. Durch Nebenjobs kann man den Kapitalbedarf ebenfalls relativieren.

Ich rate jedem, das ganze einmal selbst nachzurechnen. Dazu kann ich auf Anfrage auch gerne das Excel File zur Verfügung stellen.

10. Fazit

Finanzielle Freiheit durch Sparen und Investieren zu erreichen ist keine Seifenblase, sondern kann mit der richtigen Strategie tatsächlich erreicht werden. Der Weg dorthin ist ein Marathon, der Einsatzbereitschaft und Anpassungsfähigkeit erfordert, aber auch die Bereitschaft auf Freizeit und auf manche materielle Dinge zu verzichten. Wem jedoch zukünftige Freiheit wichtig ist, der investiert gerne Zeit und Geld, um sein Ziel mit Elan zu verfolgen.

Von Anfang an sollte man eine Strategie wählen, die den Zuwachs des Kapitalstocks optimiert. Ob mehr Fokussierung auf Sparen und den jetzigen Job wichtiger ist oder der Ausbau der Fähigkeiten als Investor, hängt von der Höhe des Startkapitals ab. Wer über kein Geld verfügt, sollte so viel sparen und arbeiten wie möglich, um Gehaltssteigerungen zu realisieren.

Mit wachsendem Kapitalstock tritt zunehmend die Optimierung der Rendite in der Vordergrund. Wer es schafft, den Break Even zwischen Sparrate und Rendite zu überschreiten, kann zunehmend die unbegrenzte Kraft des Zinseszinses nutzen und über die Jahre einen noch viel größeren Kapitalstock aufbauen. Dieser kann groß genug werden, um in Zukunft von der aus ihm generierten Rendite leben zu können. Fremdkapital kann dabei helfen dem ganzen Unterfangen mehr Schwung zu verleihen, doch gilt dabei immer, dass der Erhalt des Kapitalstocks höchste Priorität hat.

Der Weg zu finanzieller Freiheit ist der Weg zu einem alternativen Lebensstil, der sich in mancher Hinsicht grundsätzlich vom Standardweg der meisten Menschen unterscheidet. Für manchen erscheint er unsicher, für manchen anderen ist er ein ultimatives Lebensgefühl.

11. Vorschau auf Teil II

In diesem Artikel wurde klar, wie zentral die Höhe der Rendite für das Erreichen finanzieller Freiheit ist. Frugalisten beschäftigen sich so gut wie überhaupt nicht mit Renditeoptimierung. Ich jedoch finde jedoch, sie muss der zentrale Bestandteil der Strategie sein.

Renditeoptimierung ist ein sehr umfassendes Thema, dass die Länge dieses Artikels deutlich sprengen würde. Aus diesem Grund wird es einen zweiten ausführlichen Artikel zum Thema Rendite geben.

Stay tuned!

Bis es so weit ist, aber auch unabhängig davon, empfehle ich dem Sharewizardclub beizutreten, unserem Aktienclub.

12. Sharewizardclub

12.1. Die Aktienauswahl optimieren

So wie meine Sichtweise auf das Thema finanzielle Freiheit alternativ ist, so ist es auch bei meiner Art und Weise, Aktien auszuwählen. Weder kaufe ich, was in Magazinen wie dem Aktionär oder börse online empfohlen wird, noch kaufe ich, was alle anderen kaufen. Stattdessen mache ich meine eigenen Analysen.

Im Club kannst Du lernen, worauf man bei der Aktienauswahl wirklich achten muss und erhältst fundierte Analysen zu Aktien, die in keinem deutschen Anlegermagazin erscheinen, die aber oftmals Renditen erzielen, welche die Vorstellungskraft vieler Standard Dax Anleger sprengen. Ich suche nach den besten Multibaggern und dass mir dies gelingt, kann man eben auch daran erkennen, dass ich so wie ich es oben beschrieben habe durch anfangs Sparen und dann die Entwicklung einer überlegenen Anlagestrategie einen Kapitalstock aufbauen konnte.

Wer in gewöhnlichen Aktienforen nach Investmentideen sucht, stößt primär auf die meist diskutierten Aktien, also jene die jeder kennt. Im Club screenen wir das gesamte Aktienuniversum nach bestimmten Kriterien und unabhängig von der Popularität der Aktien. Es zählt nur das Potential.

12.2. Optimiere deinen Investmentstil

Die Aktienauswahl ist sehr wichtig, um erfolgreich an der Börse zu sein, aber nicht der einzige entscheidende Faktor. Wichtig ist auch, sich bestimmte Verhaltensweisen anzugewöhnen, die unseren ursprünglichen Verhaltensweisen widersprechen. Statt Emotionalität zählt Logik.

Auch die richtige Balance zwischen einzelnen Werten im Portfolio zu finden und Kauf oder Verkauf Entscheidungen gezielt zu treffen, gehört dazu. Man muss lernen, wann und wie man Gewinne mitnimmt und wann und wie man Verluste realisiert. Dabei gibt es Strategien, die aus Büchern stammen, die wir im Club besprechen, aber eben auch auf langjähriger Erfahrung beruhen.

12.3. Lasse deine eigenen Aktienideen von anderen kritisch hinterfragen

Der beste Weg, ein erfolgreicher Investor zu werden, ist es unter Anleitung selbst zu probieren. Der Club bietet dazu die Möglichkeit, indem Du versuchst eigene Aktien zu finden, diese vorstellst, um anschließend die Idee im Club von anderen kritisch hinterfragen zu lassen. Viele Anfängerfehler bei der Aktienauswahl und dem Handel mit Aktien lassen sich hierdurch vermeiden. Es ist eine Abkürzung, schneller zu lernen.

12.4. Track halten auch unter schwierigen Marktbedingungen

Börse ist eine große Herausforderung. Gerade in Zeiten fallender Kurse, kann man unter den Schmerzen des Verlustes schnell die eigene Zuversicht in den Gesamtmarkt, einzelne Aktien und insbesondere in die eigenen Fähigkeiten verlieren. Doch auch und gerade in solchen Situationen ist es wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren.

Während in anderen Foren deutlich wird, wie Massenpanik aussehen kann, habe ich eine solche Situation kein einziges Mal im Club erlebt. Selbst in den schwierigsten Situationen stützen sich Mitglieder gegenseitig. Durch die faktenbasierte Aktienanalyse hat man zudem stets ein Sicherheitsnetz, auf das man sich besinnen kann.

12.5. Du bist nicht alleine

Es gibt sehr viele Menschen, die niemals den Schritt an die Börse wagen, weil sie zum einen von vielen Vorurteilen gegenüber dem Kapitalmarkt geprägt sind oder sich eben auch oft alleine gelassen fühlen.

Weder in der Schule, noch im Elternhaus lernt man gewöhnlich irgendetwas übers Investieren. Selbst ein Wirtschaftsstudium hilft hier kaum weiter, wenn es konkret darum geht, gute Aktien zu finden. Also ist es alleine an einem selbst, sich die notwendigen Kenntnisse anzueignen. Im Club findet sich das geballte Wissen vieler Investoren, mit dessen Hilfe man sich ständig weiterentwickeln kann.

Auch wenn man am Ende die Investitionsentscheidung selbst treffen muss, hilft die Crowd Intelligenz der Gruppe bei dem Sammeln von Informationen und bei der Bewertung von Situationen und Aktien. Dies kommt besonders zur Geltung, wenn man über begrenzte Zeit verfügt, um selbst nach Aktien zu suchen.

Umso länger der Club besteht, umso mehr wachsen die Mitglieder als Gemeinde zusammen. Wer lange dabei ist, sieht diesen Club nicht mehr als Forum, sondern als Aktienfamilie. Das Zitat stammt nicht von mir, sondern von einigen Mitgliedern. Ich finde es jedoch sehr passend.

12.6. Wozu der monatliche Beitrag?

Immer wieder stoße ich auf Menschen, die verwundert darüber sind, dass die Clubmitgliedschaft Geld kostet, wo doch alle anderen Aktienforen in Deutschland wie Wallstreet Online oder Ariva kostenlos sind. Dieser Verwunderung liegt die Annahme zu Grunde, dass es sich bei diesem Club nur um ein weiteres Forum handelt wie die anderen handele, mit dem einzigen Unterschied, dass es Geld koste. Also warum sollte man dafür Geld in die Hand nehmen, wenn man es doch for free haben kann?

Betreibern großer Aktienforen geht es darum, über eine möglichst große Anzahl an Mitgliedern ihre Werbeinnahmen zu maximieren und damit Gewinne zu erzielen. Die Qualität der Beiträge und die Einstellung der Mitglieder ist dabei völlig irrelevant, es geht eben um Masse.

Dieser Club hat eine völlig gegensätzliche Intention. Hier geht es nicht darum, eine möglichst große, aber eben auch unübersichtliche Anzahl aus unqualifizierten Beiträgen zu fördern, sondern die Qualität jedes einzelnen Beitrages zählt. Dass dies von alleine funktioniert liegt an dem Mindset und der Einstellung der Mitglieder. Niemand schert sich darum, etwas zu pflegen und seine Qualität aufrecht zu erhalten, wenn es kostenlos ist.

Wer jedoch bereit ist, einen finanziellen Beitrag zu leisten, der ist nicht nur selbst bereit, sich vor dem Schreiben erst einmal Gedanken zu machen, sondern er erwartet dies auch von den anderen, da er dafür bezahlt. Der finanzielle Beitrag erzeugt also ein System gegenseitigen Respekts und filtert diejenigen Personen heraus, die kein Interesse daran haben. Freie Foren sind in ihrer grundsätzlichen Konzeption für einen solchen Zweck ungeeignet.

Nur wer bereit ist, Zeit und Geld zu investieren, wird am Ende eine Rendite daraus erhalten können, welche die Ursprungsinvestition um ein Vielfaches übersteigt. Dies gilt für Aktienanlage genauso wie für diese Clubmitgliedschaft.

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