Konstruktive Kommunikation in einem Aktien Forum

lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich für diesen Aktien Club bestimmte Regeln aufstellen soll, denn immerhin ist der Gedanke an ein neues Forum zum großen Teil aus der Kritik an anderen Foren entstanden, die Inhalte ungefiltert zulassen und bei denen die Qualität der Beiträge keine Rolle spielt.

Es hat sich eine gewisse Fastfood Mentalität eingebürgert. Die meisten Beiträge in solchen Foren sind maximal ein oder zwei Sätze lang und bieten in den allermeisten Fällen keinen Mehrwert für den Leser, weil sie lediglich das Geschehen darstellen oder das wiederholen, was alle anderen bereits wissen beispielsweise in Form von Kurs Wasserstandsmeldungen.

Auch Kurszielsetzungen sind äußerst beliebt, insbesondere solche für den laufenden Tag, dabei haben konkrete Kursvorhersagen den Informationsgehalt von Wahrsagerei. Niemand kann Kursbewegungen vorhersehen und insbesondere das Nennen von konkreten Kursen ist nicht nur sinnlos, sondern naiv.

Hier einige aktuelle Beispiele aus einem dieser Foren, ungefiltert und simpel der Reihe nach zitiert.

„Positiv ist immer gut”

“KO’s bis 117 Euro stehen”

“Bald hat es sich ausgeshortet“

„Sorry, aber möglich ist hier alles…130 wie 110“

„Ich hoffe auch das es nicht runtergeht“

„Ab 110 und weniger Nachkaufen.”

Dies sind nur einige Beispiele, doch zu jedem beliebigen Zeitpunkt sind all diese Foren voll mit solchen Einzeilern.

Viele Wörter, kein Mehrwert.

Durch die Masse solcher oder ähnlicher Beiträge fallen gute Beiträge kaum noch auf. Wird ein informativ wertvoller Beitrag gepostet, sehen ihn zwar ein paar Personen, die gerade online sind, allerdings bewegt sich das Forum, Seite um Seite, unentwegt und mit hoher Geschwindigkeit weiter, sodass dieser eine gute Beitrag bereits schon nach kurzer Zeit von der Masse der schlechten Beiträge überflutet wird und untergeht.

Wenn es darum geht, über Regeln nachzudenken, dann sollte dies unser erster Anhaltspunkt sein.

Was wollen wir? Was willst Du? Warum bist du hier?

Ich formuliere diese Frage ganz bewusst in der Wir-Form, denn Du, der diese Zeilen liest, bist hier, weil Du dir bestimmte Dinge von diesem Forum erhoffst. Ob Du Dir Hilfestellung erhoffst, neue Investmentideen finden möchtest oder selbst eine gute Idee hast, die Du teilen möchtest, ob Du verunsichert bist, oder interessante Informationen gefunden hast, die Du mit den anderen teilen möchtest, ist völlig irrelevant. Entscheidend ist etwas anderes.

Wer Beiträge wie die obigen verfasst, erhofft sich in erster Linie eine Bestätigung des eigenen Gedanken. Es ist daher nicht völlig unverständlich, dass andere Foren voll von solchen Kommentaren sind, denn letztendlich suchen wir doch alle doch nach Bestätigung, wenn wir ehrlich sind.

Auch wenn die Intention nachvollziehbar ist, so sind derart ungefilterte Gedanken für ein Forum äußerst kontraproduktiv. Der Verfasser stellt sich im Grunde genommen sogar selbst ein Bein. Eine reine Bestätigung seiner These ohne Argumentationskette beruhigt vielleicht temporär, aber hilft im Grunde kaum weiter und verhindert sogar die Chance des Verfassers, wirklich hilfreiche Informationen von anderen zu erhalten.

Umso größer die Menge solcher Beiträge ist, desto weniger Informationsgehalt wird für alle geboten inklusive des Verfassers selbst. Steigt das Verhältnis von „schlechten“ zu „guten“ Beiträgen zu Lasten der guten hat dies folgende Auswirkungen:

1.) Gute Beiträge werden von weniger Personen gesehen, was zu weniger Wissengewinn innerhalb der Gruppe führt.

2.) Der Zeitaufwand für den einzelnen bei der Suche nach relevanten Beiträgen steigt und der Nutzen pro Minute sinkt.

3.) Reflektierte Schreiber mit überdurchschnittlich guten Beiträgen werden demotiviert an einem solchen Forum weiterhin teilzunehmen, weil der Zeitaufwand nicht anerkannt wird. Es werden weniger gute Beiträge geschrieben und das Verhältnis von guten zu schlechten Beiträgen verschlechtert sich zu Lasten der guten.

4.) Schlechte Beiträge werden zur Normalität, Forenteilnehmer gewöhnen sich an diese Art der Kommunikation und die Anzahl schlechter Beiträge nimmt überproportional zu.

All diese Effekte verstärken einander und führen dazu, dass sich Menschen abwenden, die nicht an derartigem Geplänkel interessiert sind. Vermutlich gehörst Du ebenfalls zu diesen Menschen, denn sonst wärst du wahrscheinlich nicht hier.

Damit dieser Aktien Club anders wird, sollten wir alle selbstreflektiert darüber nachdenken, wie wir miteinander kommunizieren wollen und wie wir uns selbst verhalten sollten, um nicht nur Wert zu schaffen, sondern auch anderen das richtige Beispiel zu geben und sie zu motivieren, ebenfalls so zu handeln.

Als Titel dieses Textes habe ich deshalb ganz bewusst das Wort Regeln nicht verwendet, denn ich möchte keine Verbote oder Regeln im Sinne von „Du darfst dies nicht“ und „Du darfst das nicht“ aufstellen. Stattdessen möchte ich einen Geist der Gemeinschaft wecken, der Wissen und konstruktiven Austausch vor Selbstinszenierung und gedankenloses Schreiben stellt.

Lasst uns dieses Forum zu einem Ort machen, den seine Teilnehmer gerne aufsuchen, weil sie wissen, dass jede Minute die sie hier verbringen eine gewonnene Minute ist und keine verlorene. Es soll ihnen schon beim Login klar sein, dass sie nicht seitenlang durch Beiträge forschen müssen, um wertvolle Informationen zu finden, sondern dass diese allgegenwärtig sind.

Was sollten wir tun? Was sollte jeder einzelne tun?

Das alles klingt theoretisch gut, doch ich möchte noch etwas konkreter erläutern, was aus meiner Sicht wichtige Aspekte einer erfolgreichen und konstruktiven Kommunikation in Foren sind. Dazu müssen wir uns zunächst einmal fragen, was eigentlich der Unterschied zwischen einem guten Beitrag ausmacht und einem Beitrag, der wie die oben erwähnten, zu einer Reduzierung der Qualität in Foren beiträgt.

Auch wenn manch einer dies möglicherweise vermuten könnte, hat die Qualität eines Beitrags wenig mit der Intelligenz oder dem Wissensstand des Schreibers zu tun, sondern primär mit seiner Einstellung und Mentalität.

Ich möchte ganz ausdrücklich betonen, dass ich mir hier keine exklusive Gruppe von professionellen oder extrem erfahrenen Börsenveteranen wünsche, sondern stattdessen eine heterogene Gruppe von Menschen, die unterschiedlichste Wissensstände und Erfahrungen mitbringen, aber die ein gemeinsames Ziel und eine gemeinsame Einstellung vereint und die bereit sind, zu lernen.

Die Qualität eines Beitrags definiere ich daher primär durch den Mehrwert, den dieser Beitrag der Gruppe bringt. Wer an dieser Stelle vermutet, dass dies nur ausgefeilte, hochprofessionelle Bilanzanalysen oder Aktienanalysen seien, der ist ebenfalls auf dem Holzweg. Ganz im Gegenteil, oft sind es die auf den ersten Blick banalsten Fragen, die Diskussionen anregen und Menschen zum nachdenken bringen und damit in Folge der Gruppeninteraktion zum höchsten Wissensgewinn für alle führen.

Eine der fundamentalsten Weisheiten, die ich in meiner Karriere als Investor gewinnen konnte ist, dass man sich immer und immer wieder selbst hinterfragen muss und seine Investitionsstrategie an neue Erkenntnisse anpassen mus. Fragen halten den Geist wach und oft als Wahrheiten verstandene Gedanken stellen sich nicht selten als Denkfallen heraus.

Wer glaubt, dass bei erfolgreichen Investoren jede Investitionsidee aufgeht, liegt falsch. Es ist der Umgang mit Verlusten und Enttäuschungen und die Fähigkeit aus diesen zu lernen, die den Unterschied ausmachen zwischen guten und schlechten Investoren.

Genau dieses Mindset der Selbstreflektion ist es, das ein jeder von uns sich zu eigen machen sollte, um sinnvolle Fragen zu stellen und durchdachte Beiträge zu schreiben.

Schlusswort

Wir alle stehen am Anfang eines Experiments, dessen Ausgang wir selbst bestimmen. Wir alle gemeinsam sind Pioniere in einem Selbstversuch, in dem es darum geht, über uns selbst hinauszuwachsen und etwas Neues zu erschaffen.

Wie sich dieses Forum entwickeln wird, ist ungewiss. Wenn wir aber gemeinsam als Gruppe Wissen erarbeiten und jeder versucht sich durch Fragen und Antworten einzubringen, seine Ideen veröffentlicht und sein Wissen bereitwilligt teilt, können wir hier etwas Großartiges erschaffen, davon bin ich absolut überzeugt.

Responses

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

  1. Hallo Matthias,

    ich hätte es nicht besser schreiben können!

    Ich war mal im Innovationsmanagement verantwortlich für die EInführung und Administration einer Innovations-Platform. Deshalb kann ich dir nur beipflichten: Es gibt da draußen viele gute Ideen, viele gute Informationen. Die meisten recihen jedoch individuell betrachtet eigentlich nicht aus, um daraus Mehrwert zu erzeugen. Es bedarf der Verknüpfung vieler Ideen, bis daraus ein Schuh wird.
    Die Herausforderung ist es, die guten von den vielen weniger wertvollen herauszufiltern.
    Und eine gute Idee ist noch lange keine umsetzbare Lösung. Eine Lösung entsteht in den meisten Fällen nur, wenn man die Idee aufgreift, aus verschiedenen Blickwinkeln bewertet, sie mit anderen Forumsteilnehmern „ausbaut“, wodurch eine Idee mehr und mehr zu einer umsetzbaren Anwendung reift. Das geht nicht mit den in den von dir zitierten Foren registrierten Teilnehmern, die oft gegensätzliche Interessen haben.

    Und vor allem ist nicht jede Idee umsetzbar. Es badarf vieler Versuche, bis man etwas Vielversprechendes vor sich hat und das auch erkennt.

    Um informativen Mehrwert in einem Forum zu schaffen, sind die konstruktive Diskussion und auch eine objektive Bewertung von weniger nutzbaren Vorschlägen unabdingbar. Das erhoffe ich mir von deiner Platform und den registrierten Nutzern. Ich selbst bin kein Finanzexperte, aber manchmal ist es genau die Fachkenntnis, die einem den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennen lässt.
    Je diversivizierter die Teilnehmer sind, desto vielfältiger (krativer) sind die Blickwinkel und Masstäbe, mit denen man dann ein Unternehmen analysieren kann.

    1. Hallo Namensvetter,

      besten Dank für deinen tollen Kommentar, dem ich ebenfalls beipflichte.

      Es wird äußerst interessant werden für alle Beteiligten, wie sich dieses Forum entwickelt. Wie ich schrieb, ist es ein Experiment. Trotzdem glaube ich, dass es keine utopische Vorstellung ist, solch einen Ort zu schaffen. Nichts ist perfekt, aber ich glaube dass es eine sehr hohe Konzentration an sehr guten Beiträgen geben wird.

      Ein paar wenige gute Bekannte/Freunde, die sich gut mit Investitionen auskennen und dies teilweise beruflich machen, testen die Plattform bereits und ich kann Dir sagen, dass die Beiträge ein fantastisches Niveau haben. Es ist wirklich wert jeden einzelnen Beitrag komplett durchzulesen, auch wenn die Beiträge lang sind. Speziell für unerfahrene Investoren ist das eine Fundgrube des Wissens.

      Selbst wenn man dutzende von Büchern liest, wird man nicht gleichwertige Erkenntnisse erzielen können, da hier zusätzlich die jahrelangen praktischen Erfahrungen der Teilnehmer einfließen.

      Bei dem, was ich dort innerhalb weniger Tagen/Wochen sehe, können meines Erachtens sämtliche Börsenmagazine, Zeitungen und insbesondere andere Foren einpacken. Als ich vor ein paar Jahren angefangen habe zu investieren, hätte ich meinen rechten Arm hergegeben für einen solchen Ort. So musste ich mir mein Wissen mühsam zusammensuchen und über viele Fehlschläge selbst Erfahrungen sammeln. Ich glaube, ich hätte es mir wesentlich einfacher machen können mit einem solchen Forum, das leider einfach noch nicht existiert.

      Diversifikation der Teilnehmer ist ein ebenfalls ein wichtiges Thema. Ich fände es einfach fantastisch, wenn diese Plattform zu einer Art Akademie wird, wo jeder einander hilft.

      Ich freue mich unheimlich auf den Start und würde am liebsten schon heute loslegen, aber die rechtlichen Aspekte eines Forums, was Nutzungsbedingungen und Datenschutz betrifft, sind nicht zu unterschätzen. Das ist aufwendig und bedarf professioneller juristischer Hilfe, wenn man es richtig machen will.

      Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir das ganze spätestens bis Ende März auf die Reihe bekommen werden und der Start dann erfolgen kann.

      Beste Grüße

      Matthias