Secunet Aktie – Cybersecurity Made in Germany

Cybersecurity ist ein Thema, dessen sich weder Unternehmen, noch Staaten entziehen können, in einer Welt, die mehr und mehr durch das Internet bestimmt wird. Mögliche Cyberattacken bedrohen alle Wirtschaftsbereiche und können enorme Schäden anrichten. Die durchschnittlichen Kosten für Unternehmen sind in den letzten 5 Jahren um 40% gestiegen und machen mittlerweile einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr aus.

Mit wachsender Bedeutung von Cybersecurity als Wirtschaftsfaktor konnten sich zunehmend spezialisierte Unternehmen etablieren. Bekannte Player im Cybersecurity sind vor allem große US-fokussierte Unternehmen wie Check-Point-Software, Palo-Alto-Networks, FireEye oder Splunk. Aus dem deutschen Ruhrpott kommt mit secunet ein Cybersicherheitsspezialist, der als relativ unbekannter Spieler ebenfalls seit Jahren in seiner Nische für hochsichere IT-Lösungen äußerst erfolgreich ist. Auch für Aktionäre war die secunet Aktie ein äußerst lukratives Geschäft, denn der Aktienkurs konnte sich in den vergangenen 5 Jahren verzehnfachen.

Diese Analyse war im Rahmen eines Wettbewerbs aus dem Jahr 2018 entstanden und wurde für eine Veröffentlichung in diesem Blog teilweise neu überarbeitet. Der Autor (@mavix) ist Mitglied im Sharewizardclub und stellt in seiner umfassenden Analyse sowohl das Geschäftsmodell von Secunet dar, also auch die Chancen und Risiken, die aus einem Investment in die Aktie resultieren.

1. Unternehmensprofil

Die secunet Security Networks AG ist ein IT-Unternehmen mit Hauptsitz in Essen. Das Unternehmen bietet seinen Kunden Lösungen (Produkte und Dienstleistungen) rund um IT-Sicherheit und IT-Hochsicherheit. Neben dem Hauptsitz in Essen bestehen weitere Standorte in Berlin, Bonn, Dresden, Eschborn, Hamburg, Ilmenau, München, Paderborn, Siegen und Stuttgart.

1997 gliederte die TÜV Mitte AG ihre IT Sicherheitsabteilung aus, da immer mehr Unternehmen ihre Netzwerke prüfen und absichern lassen wollten. Daraus entstand die secunet Security Networks GmbH.

Im November 1999 ging das Unternehmen an die Börse und firmierte fortan unter secunet Security Networks AG. Seitdem ist das Unternehmen im Prime Standard der Deutschen Börse gelistet. Haupteigentümer ist mit 78,96 % Aktienanteil die Giesecke und Devrient GmbH aus München.

Bei secunet konzentrieren sich mehr als 600 Experten auf Themen wie Kryptographie, eGovernment, Business Security und Automotive Security. Das Leistungsspektrum reicht hierbei von der Analyse über die Beratung, Konzeption, Entwicklung und Integration von Software- und Hardware Lösungen bis hin zu Schulung und Support. Secunet hat sich über die letzten beiden Jahrzehnte zum Markt- und Innovationsführer in Deutschland und Europa entwickelt und ist der größte Spezialanbieter für IT-Sicherheit in Deutschland. 2004 hat die Bundesregierung eine Kooperationsvereinbarung zur Verbesserung der IT-Sicherheit in Deutschland mit der secunet Security Networks AG abgeschlossen. Die sogenannte IT-Sicherheitspartnerschaft wurde 2009 während der CeBIT durch den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bestätigt.

2. Management

Die secunet AG ist im Prime Standard der Deutschen Börse gelistet. Vorstandsvorsitzender ist Axel Deininger. Dieser hat den Posten im Juni 2019 von Dr. Rainer Baumgart übernommen, der nach über 20 Jahren den Vorstand aus Altersgründen verlassen hat. Axel Deininger verantwortet die Bereiche Strategie/Geschäftsentwicklung, Internationaler Vertrieb, Marketing und Human Resources. Zuvor war der Wirtschaftsingenieur unter anderem für die Siemens AG, Infineon Technologies AG, Samsung Semiconductor Europe GmbH  und zuletzt mehr als zehn Jahre bei der Unternehmensgruppe Giesecke + Devrient in unterschiedlichen Positionen tätig.           

Weitere Vorstandmitglieder sind Thomas Pleines , der seit 1999 im Vorstand des Unternehmens ist. Als CFO verantwortet er die Bereiche Finanzen, Controlling, Recht und Investor Relations. Der bereits seit 1997 für secunet tätige Torsten Henn verantwortet als COO die Bereiche nationaler Vertrieb, Produktion, IT und Qualitätsmanagement. Als studierter Informatiker beschäftigt er sich bereits seit 1994 ausschließlich mit dem Thema IT-Sicherheit. CTO ist Dr. Kai Martius, der zu den maßgeblichen Architekten von secunets erfolgreicher SINA-Infrastruktur zählt.

3. Geschäftsmodell

Das Unternehmen besteht aus den Divisionen eHealth, Innere Sicherheit, Industrie, Öffentliche Auftraggeber und Verteidigung. Die internationalen SINA Vertriebsaktivitäten sind in der secunet International GmbH & Co. KG gebündelt. Alle Funktionen, die die operativen Einheiten der secunet Security Networks AG unterstützen, sind zentral in der secunet Service GmbH angesiedelt.

Secunet hat sich auf anspruchsvolle Projekte, bei denen Technologien und Prozesse zusammengeführt werden, komplexe Lösungen und IT-Hochsicherheit spezialisiert. Das sind die Bereiche der IT-Sicherheit, in denen Anwendungen für die professionelle Nutzung entwickelt und angeboten werden, z.B.  hochsichere kryptografische Systeme, Public-Key-Infrastrukturen (PKI), sichere elektronische Identitäten (eID) und Infrastrukturkomponenten für den Gesundheitsbereich. Das Angebot ist in der Regel auf groß angelegte Infrastrukturen ausgerichtet. Meist erhalten die Kunden maßgeschneiderte, auf ihre individuellen Wünsche ausgerichtete Lösungen, selbst wenn diese auf der Basis gängiger Anwendungen aufgebaut sind.

Das Produktportfolio von secunet umfasst Hardware, Software und Dienstleistungen. Zu den Dienstleistungen gehören die Spezialberatung in der IT-Sicherheit, die Softwareentwicklung sowie die Entwicklung und Realisierung von umfassenden Sicherheitslösungen. In den Bereichen Hardware und Software deckt secunet die Wertschöpfungskette von Design über Entwicklung bis hin zu Integration, Betrieb, Wartung und Support der Produkte ab. Kernkompetenz von secunet ist die Anwendung kryptografischer Verfahren in Systemlösungen.

Zielmärkte für das Produktportfolio von secunet sind öffentliche Auftraggeber und die private Wirtschaft. Zur Zielgruppe der öffentlichen Auftraggeber, die durch den Geschäftsbereich Public Sector bedient werden, gehören Regierungsorganisationen, der Bereich der Verteidigung (einschließlich Organisationen wie der NATO), EU-Organisationen, der Bereich der Gesundheitsfürsorge, die Sicherheitsbehörden und die Grenzpolizei. In der privaten Wirtschaft zielt der Business Sector von secunet auf die Kundensegmente Finanz-, Versicherungs- und Energiewirtschaft, Versorger, Telekommunikation, und Fertigungs-/Produktionsindustrie sowie Automobilhersteller und Zulieferer (Automotive) ab.

Kunden je Segment
Secunet Organisationsstruktur

Der geografische Schwerpunkt des Absatzes von secunet liegt vorwiegend in Deutschland. Die Vertriebsaktivitäten konzentrieren sich bislang auf die Länder der Europäischen Union, die NATO-Mitgliedsländer und den Mittleren Osten.

2.1. Segment Public Sector

Hauptumsatztreiber im Bereich Public Sector ist die SINA (Sichere Inter-Netzwerk Architektur) Produktfamilie. Das sind Lösungen (Software, Hardware und Management) zur kryptografischen hochsicheren Bearbeitung, Übermittlung und Speicherung von Daten unterschiedlich hoher Vertraulichkeit. Die SINA Lösung wurde im Auftrag des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entwickelt. SINA Lösungen sind skalierbar, designt für komplexe nationale, internationale und multinationale Infrastrukturen und für den Massen-Rollout geeignet. Die umfangreiche Produktpalette – von Tablets und anderen Clients über Krypto-Gateways bis zu Ethernet-Verschlüsselern – ermöglicht vielfältige Einsatzszenarien. Zudem ist SINA  das einzige IP-basierte Kryptosystem mit Zulassungen durch das BSI bis zum Geheimhaltungsgrad GEHEIM sowie internationalen Zulassungen für NATO SECRET und SECRET UE/EU SECRET. Insbesondere bei nationalen und internationalen Behörden und Streitkräften sowie Geheimschutz-betreuten Unternehmen ist SINA seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz. Mehr als 150.000 Installationen in 25 Ländern weltweit sprechen für sich.

SINA-Box

Des Weiteren gehören zum Angebot eine große Bandbreite an Produkten und Dienstleistungen rund um IT-Sicherheit für öffentliche Kunden, angefangen bei IT-Sicherheitsberatung und -Schulung bis hin zu Produkten und Beratung rund um elektronische Reisepässe, automatisierte (biometrische) Grenzkontrollsysteme, die elektronische Steuererklärung ELSTER sowie die Ausstattung großer Infrastrukturen mit Hochsicherheitstechnologie und Public-Key-Infrastrukturen.

2.2. Business Sector

Der Business Sector bietet IT-Sicherheitsberatung und –lösungen für den Gesundheitsmarkt sowie für den spezifischen Bedarf von Unternehmen der privaten Wirtschaft an. Das Lösungsangebot im Gesundheitsmarkt bestand im Geschäftsjahr 2019 im Wesentlichen aus dem zum Ende des Jahres 2018 zugelassenen secunet Konnektor für den Anschluss an die Telematik-Infrastrukur (TI) im Gesundheitswesen. Die Beratungsdienstleistungen reichen von Sicherheitsanalysen (sogenannten Penetrationstests) über Sicherheitsberatung, zum Beispiel für Sicherheitsrichtlinien und deren Umsetzung, bis hin zur Unterstützung bei Zertifizierungsprojekten. Die kundenspezifischen Lösungen im Bereich Business Sector richten sich vor allem an Anbieter und Betreiber kritischer Infrastrukturen, wie Telekommunikationsunternehmen und Versorger, sowie auf Anspruchsvolle Branchen wie Automotive und Maschinenbau. Zum Portfolio gehört beispielsweise die Lösung eID PKI Suite, welche zur Erzeugung, Nutzung und Verwaltung von digitalen Zertifikaten eingesetzt wird. Die Zertifikate dienen der Authentisierung von Nutzern und technischen Komponenten sowie zum Signieren und Verschlüsseln von Daten und Nachrichten. Ebenfalls angeboten wird das Produkt secunet edge, mit dem vernetzte Sensoren, Maschinen und Anlagen in der Industrie 4.0 vor Cyberangriffen geschützt werden.

2.3 Aktionärsstruktur

Ein Großteil der 6,5 Mio. ausgegebenen Nennwertlosen Inhaberaktien werden von Giesecke & Devrient gehalten. Dieser Anteil liegt bei 78,96 %. Weitere 3,18 % werden von der Axxion S.A. und 2,81 % von der Frankfurter Investmentgesellschaft mit variablem Kapital (SICAV) gehalten. Lediglich 10,63 % der Aktien befinden sich im Streubesitz. 

Der geringe Freefloat der Aktie sorgt dafür, dass diese eher weniger interessant für große Fonds und Investoren ist, sondern eher für den privaten Kleinanleger. Dieser sollte allerdings aufgrund der geringen Liquidität der Aktien mit höheren kurzfristigen Kursausschlägen rechnen.

secunet Atkionärsstruktur

3. Chancen

3.1. eGovernment

Da secunet aktuell 92 % des Umsatzes im Inland und 75 % im Public Sector erzielt, ist der Markt der deutschen öffentlichen Auftraggeber für den Erfolg von secunet von besonderer Bedeutung. Hier kann secunet in Zukunft besonders vom Trend zum eGovernment profitieren. eGovernment ermöglicht Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen den unkomplizierten und zeitlich unabhängigen Zugang zu den Leistungen des Staates. Der aufwändige Gang zum Amt soll damit entfallen und die Verfahren effizienter und transparenter gestaltet werden. Hierfür ist es allerdings notwendig, dass die Nutzer dieser Angebote ihre hochsensiblen Daten über das Internet bereitstellen. Damit die Bürgerinnen und Bürger dieses Angebot wahrnehmen, muss gewährleistet sein, dass ihre Daten sicher sind. Eines der größten erfolgreich umgesetzten eGovernment-Projekte Deutschlands ist ELSTER, die elektronische Steuererklärung. Ziel ist die elektronische Übermittlung von Steuererklärungen an das Finanzamt und schrittweise der vollständige Verzicht auch auf Papierbelege. Mittlerweile erledigen 23,1 Millionen Bürger ihre Steuererklärung im Internet. Für dieses Projekt wurde secunet beauftragt die Konzeption der Sicherheitsarchitektur zu übernehmen.

Im Koalitionsvertrag 2018 der großen Koalition wurde zum Thema eGovernment vereinbart: „Der digitale Zugang zu Verwaltungsleistungen soll zur Regel, Schriftform und das persönliche Erscheinen soweit möglich durch gleichwertige digitale Lösungen ersetzt werden (Digital First). Wir wollen ein digitales „Bürgerportal“ für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen schaffen, indem wir zentrale und dezentrale Verwaltungsportale miteinander vernetzen. Für die Umsetzung des Gesetzes zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen (OZG) wollen wir 500 Millionen Euro zur Verfügung stellen.“ Das OZG verpflichtet Bund und Länder bis spätestens Ende 2022 alle ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch anzubieten und diese Verwaltungsportale zu einem Portalverbund zusammenzuschließen. Für die IT-Sicherheit dieses Bürgerportals und weiterer eGovernment-Leistungen dürfte secunet als IT-Sicherheitspartner der Bundesregierung der erste Ansprechpartner sein und von diesem Trend überdurchschnittlich profitieren.

Zudem hat secunet mit ELSTER bereits ein erfolgreiches Referenzprojekt vorzuweisen. Mit secunet protect4use hat secunet eine Lösung entwickelt, mit der Betreiber von Webportalen und Online-Diensten ihren Nutzern eine sichere und bequeme Authentifizierung ermöglichen können. Zukünftig soll die Steuer-ID verwaltungsübergreifend für die Identifikation zur Nutzung von eGovernment-Angeboten genutzt werden. Damit erlang das Online-Konto von ELSTER eine zentrale Bedeutung für eGovernment in Deutschland. Elster nutzt zur Authentisierung die secunet protect4use Technologie.

Eine Vielzahl der Deutschen dürfte also zukünftig sehr vertraut sein mit den Authentifizierungslösungen von secunet. Auch andere Unternehmen oder behördennahe Organisationen könnten daher auf diese Lösung setzen. Secunet bietet seine Lösung auch als White-Label-Produkt an, sodass Unternehmen diese mit ihrem corporate Design nutzen können. Zudem können z.B. auch alle auf dem Smartphone installierten Apps die protect4use App verwenden und diese in die eigene App einbauen. Damit könnte sich für secunet ein enormer Markt, auch außerhalb des eGovernment Bereichs öffnen. 

3.2. Auswirkungen von Covid-19

Trotz der im vorigen Abschnitt beschriebenen Maßnahmen und Gesetze der Politik zur Verbesserung der Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland ist dies oftmals ein langwieriger Prozess. Die Covid-19 Pandemie hat nun aber schonungslos offengelegt wie sehr die Verwaltung in den letzten Jahren die Digitalisierung vernachlässigt hat. Plötzlich sind Videokonferenzen zwischen Staatsvertretern und Home-Office für Bundestagsabgeordnete Normalität. Hochrangige Personen wie die Bundeskanzlerin waren sicherlich auch schon zuvor mit mobilen SINA Tablets und Notebooks ausgestattet, um die hochsensiblen Daten zu schützen. Doch auch Personen, die nicht zu diesem Kreis gehören, sind nun gezwungen ihre tägliche Arbeit mit diesen hochsensiblen Daten aus dem Home-Office zu erledigen. Wie hoch der Nachholbedarf bei den Behörden ist, sieht man an der Prognoseerhöhung der secunet Security Networks AG vom 17.06.2020. Hier werden die prognostizierten Umsätze für 2020 um 43,1 Mio. € angehoben (Gesamtumsatz soll bei ca. 270 Mio. € liegen). Diese Erhöhung ist laut der Mitteilung auf den Nachholbedarf bei mobilen Arbeitsplätzen infolge der Corona-Krise zurückzuführen. Damit ist secunet einer der großen Profiteure dieser Krise.

3.3. Regulierung

Die deutsche Bundesregierung hat im Juli 2015 das IT-Sicherheitsgesetz erlassen. Die Kernziele des IT-Sicherheitsgesetzes sind die Verbesserung der Sicherheit und des Schutzes der IT-Systeme und Dienste, insbesondere im Bereich der Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) – wie etwa Strom- und Wasserversorgung, Gesundheitswesen, Finanzwesen oder Telekommunikation.

Kritische Infrastrukturen

In diesen Bereichen hätte ein Ausfall oder eine Beeinträchtigung der Versorgungsdienstleistungen dramatische Folgen für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft in Deutschland, weshalb sie ein besonderes Schutzbedürfnis vor Cyberangriffen haben. Betreiber dieser kritischen Infrastrukturen werden durch das Gesetz verpflichtet, ihre IT nach dem Stand der Technik angemessen abzusichern und diese Sicherheit mindestens alle zwei Jahre durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) überprüfen zu lassen. Auch hierzu hat die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag Stellung genommen: „Wir werden das IT-Sicherheitsgesetz fortschreiben und den Ordnungsrahmen erweitern, um den neuen Gefährdungen angemessen zu begegnen. Die Beratungs- und Unterstützungsangebote des BSI für Bund und Länder, für Unternehmen und Einrichtungen sowie für Bürgerinnen und Bürger wollen wir ausbauen, den Verbraucherschutz als zusätzliche Aufgabe des BSI etablieren und das BSI als zentrale Zertifizierungs- und Standardisierungsstelle für IT- und Cybersicherheit stärken.“ Zur Umsetzung dieses Gesetzes bietet das BSI die Möglichkeit der Beratung und Unterstützung an. Gem. § 3 Abs. 3 BSIG (Gesetz über das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) kann das BSI hierfür auch auf qualifizierte Sicherheitsdienstleister verweisen. Secunet ist ein vom BSI zertifizierter Sicherheitsdienstleister und anerkannte Prüfstelle für IT-Sicherheit. Da secunet auch für die Bundesregierung IT-Sicherheitsleistungen erbringt, dürfte das BSI auch für Betreiber von kritischen Infrastrukturen auf secunet verweisen, um deren IT-Sicherheit zu kontrollieren und ggf. zu verbessern.

3.4. Zunehmende Sensibilisierung für IT-Sicherheit

Nicht nur für die Betreiber von kritischen Infrastrukturen, sondern zunehmend auch für alle anderen Unternehmen und Behörden ist das Thema IT-Sicherheit von gehobener Bedeutung und steht zunehmend im Fokus der Risikobetrachtungen. Im Allianz Risk Barometer der Top Global Business Risks wurden Cyber-Risiken in den vergangen 6 Jahren durchgehend unter den bedeutendsten 3 Risiken genannt. Im Jahr 2020 sogar erstmals als größtes Risiko für Unternehmen.

Allianz Risk Barometer 2020, Quelle: allianz.com

Der deutsche Mittelstand zeichnet sich vor allem durch sein hohes Know-how aus. Die Gefahr diesen Wettbewerbsvorteil durch erfolgreiche Cyberattacken der Konkurrenz (Wirtschaftsspionage) zu verlieren oder auch das Vertrauen der Kunden durch den Verlust von Kundendaten, erhöht die Sensibilisierung für Fragen der IT-Sicherheit bei diesen Unternehmen zunehmend. Dieser Effekt wird durch die mediale Präsenz erfolgreicher Cyberattacken und -bedrohungen noch einmal verstärkt. Hieraus kann ein positiver Trend für die Nachfrage nach hochwertigen und vertrauenswürdigen Lösungen „made in Germany“ abgeleitet werden.

3.5. Expansion

Aktuell erzielt secunet noch einen Großteil seiner Erträge im Inland. Doch auch im Ausland ist die Gefahr für Cyberangriffe und die Sensibilität für IT-Sicherheit gestiegen. IT-Sicherheitslösungen „made in Germany“ erfreuen sich aufgrund ihrer Qualität und Vertrauenswürdigkeit eines guten Rufes. Die internationale Nachfrage nach entsprechenden hochwertigen Lösungen, wie sie auch secunet anbietet, wächst. Hierbei kann secunet sich mit seinen Zulassungen für Produkte im internationalen Kontext z.B. für die NATO oder EU von anderen Wettbewerbern absetzen.

Diesen Trend hat secunet erkannt und forciert seine Auslandsaktivitäten über den secunet-eigenen Vertrieb sowie über lokale Multiplikatoren.

Neben dem organischen Wachstum auf Inlands- wie Auslandsmärkten verfolgt secunet zudem seit Jahren das Ziel, über M&A-Aktivitäten weiteres Wachstum herbeizuführen. Allerdings hat hier der Vorstand bereits eingeräumt, dass der Markt aktuell ziemlich überhitzt ist und daher so schnell vermutlich keine Übernahmen getätigt werden.

3.6. Grenzkontrollen

Die Smart Borders Initiative der EU verfolgt das Ziel, die Sicherheit an den Außengrenzen der EU zu erhöhen und die Grenzkontrollprozesse noch effizienter zu gestalten. Die weiter steigenden Passagierzahlen und komplexer werdenden Sicherheitsanforderungen an die Grenzkontrollsysteme bleiben aber eine Herausforderung in der effizienten und komfortablen Abfertigung von Reisenden. Hierfür hat secunet mit der „secunet border gears“ eine komplette Produktfamilie entwickelt. Diese erlaubt es Flughäfen Passagiere effizient und schnell, egal ob aus der EU oder aus Drittländern, abzufertigen. Über 350 dieser eGates an europäischen Flughäfen werden bereits zur Grenzkontrolle von ca. 15 Mio. Passagieren pro Jahr eingesetzt.

Produktbeispiele aus der secunet border gears Familie

Im Rahmen der Flüchtlingskrise ist die Bedeutung einer schnellen Identitätsfeststellung deutlich gestiegen. Hierfür liefert secunet modernste Lösungen und Technologien mit denen Polizeibeamte im Streifendienst mobil deutlich effizienter unterwegs sind. Secunet biomiddle wurde beispielsweise zur Identitätsfeststellung sowie zum Auslesen und Prüfen hoheitlicher Dokumente auch für Standard-Smartphones umgesetzt. Auch im Rahmen der aktuellen Pandemie wurde die Bedeutung von schnellen Identitätsfeststellungen an den Grenzen erneut deutlich.

3.7. Industrie 4.0

Industrie 4.0 verbindet IT mit OT und verschmilzt damit zuvor getrennte Welten miteinander. Vernetzte Sensoren, Maschinen und Anlagen in der Industrie 4.0 erhöhen die Komplexität, schaffen neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle und steigern damit die Gefahr von Systemfehlern oder gar -ausfällen.

Mit secunet edge legt sich eine Schutzhülle um die Maschine und entkoppelt ihren Lebenszyklus von dem der IT-Umgebung. Somit bietet das Produkt IT- und OT-Sicherheit ohne Nebenwirkungen und ohne Auswirkungen auf Maschinen, Systeme oder Produktionsprozesse. Gleichzeitig ermöglicht secunet edge die sichere und problemlose Anbindung an interne sowie externe IT-Dienste und IoT-Plattformen. Integrierte Sensorfunktionen garantieren durch die kontinuierliche Überwachung der Informationsflüsse in Echtzeit eine schnelle Anomalie-Erkennung und damit eine zuverlässige Sicherheit. secunet edge ermöglicht darüber hinaus, Daten zu analysieren und am Rande des Netzwerkes, an der Edge, weiterzuverarbeiten. Unmengen an generierten Daten können so direkt in verwertbare Informationen umgewandelt werden.

Auch der Bereich der „Connected Cars“ bietet Cyberkriminellen zukünftig immer neue Möglichkeiten, Daten zu stehlen oder zu manipulieren. Gerade bei autonom fahrenden Fahrzeugen ist es enorm wichtig, dass diese vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Hierfür hat secunet die eID PKI for Automotive entwickelt. Bekannte Anwendungen der Absicherung von Elektronik im Bereich Automotive, wie beispielsweise  sicheres Flashen von Steuergeräten, Software-Over-the-Air, Diagnose-Absicherung, sichere Bordnetzkommunikation (SecOC) und sichere Smart-Charging Kommunikation lassen sich damit genauso umsetzen wie neue und zukünftige Aufgaben im Bereich Datendienste, Mobilitätsdienste oder Car-2-Car Kommunikation. 

secunet edge

3.8. eHealth

Das sogenannte eHealth-Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen enthält einen konkreten Fahrplan für den Aufbau der sicheren Telematikinfrastruktur und die Einführung medizinischer Anwendungen. Ziel dieses Gesetzes ist es, die Chancen der Digitalisierung für die Gesundheitsversorgung zu nutzen und eine schnelle Einführung medizinischer Anwendungen für die Patienten zu ermöglichen. Voraussetzung ist hierfür die Einführung einer Telematikinfrastruktur. Sie verbindet die Praxen und Krankenhäuser sicher miteinander und ermöglicht Versicherten, ihren Behandlern wichtige Gesundheitsdaten zeitnah und sicher zur Verfügung zu stellen. Mit rund 340.000 berufstätigen Ärzten und 2.000 Krankenhäusern in Deutschland ist der potenzielle Absatzmarkt entsprechend groß. Das Herzstück einer sicheren TI-Kommunikation ist der sogenannte Konnektor. Diesen hat secunet zusammen mit der Bertelsmann Tochter Arvato entwickelt, welcher auch für die nächsten Ausbaustufen ausgelegt und damit zukunftssicher ist.  Allerdings konkurriert secunet hier mit weiteren Anbietern von bereits von der GEMATIK (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte) zugelassenen Konnektoren wie z.B. der Compugroup oder T-Systems. Hier versucht secunet sich von der Konkurrenz abzuheben, indem sie sich vor allem auf Großkunden, also Betreiber von Praxissoftware, Dienstleister vor Ort und Krankenhäuser fokussieren. Für diese großen Strukturen sind einzelne Konnektoren schwer handhabbar und stattdessen performante, zentrale, serverbasierte Hochleistungskonnektoren sinnvoll. Hierfür wird von secunet basierend auf der skalierbaren Architektur des Konnektors zusätzlich ein spezieller Highspeed Konnektor entwickelt.

Der erste Rollout der Konnektoren erfolgte im Geschäftsjahr 2019. Mit mehr als 48.000 verkauften Einheiten ist secunet hier der führende Anbieter. Aber auch für 2020 sind noch weitere Impulse zu erwarten. So wurde bekannt gegeben, dass die Konnektoren von T-Systems ausgetauscht werden müssen. Zukünftig will T-Systems nur noch Software für diesen Bereich entwickeln. Die Hardware soll jedoch gegen Konnektoren von secunet ausgetauscht werden. Der Austausch soll im 2. Halbjahr 2020 erfolgen.

Der bereits angesprochene Hochleistungskonnektor hat am 18.03.2020 zudem die Zulassung der GEMATIK erhalten und dessen Rollout ist kurz danach gestartet.

3.9 Cloudsecurity

Der Markt für Cloud Computing wächst. Aktuell dominieren ihn in Deutschland die US-Anbieter. Auf ihren Servern werden jede Menge Daten verarbeitet – darunter auch sensible Personendaten und wertvolle geistige Assets.

Am 26. März 2019 gründete secunet zusammen mit der Cloud & Heat Technologies GmbH das Joint-Venture secustack GmbH (secunet hält 51 %). Hier werden Cloud-Lösungen entwickelt, die ein sehr hohes Sicherheitsniveau mit Nutzerfreundlichkeit verbinden. Die Lösungen basieren auf der führenden Open-Source-Cloud-Plattform OpenStack und erweitern diese um zusätzliche Sicherheitsmechanismen. Dadurch sind die Daten eines Nutzers einer Cloud-Infrastruktur jederzeit ausschließlich nur diesem Nutzer zugänglich. SecuStack ermöglicht damit verschiedenen Branchen wie Behörden, F&E Einrichtungen, Energieversorger, Krankenhäuser oder Banken den Einstieg ins Cloud Computing, denen es bisher aufgrund strenger Sicherheitsvorschriften oder mangelnden Vertrauens nicht möglich war, dies zu nutzen.

Als Alternative zu den US-Anbietern wurde zudem 2019 das Projekt „GAIA-X“ von der Bundesregierung vorgestellt, welches ein Projekt zum Aufbau einer leistungs- und wettbewerbsfähigen sicheren und vertrauenswürdigen Dateninfrastruktur für Europa ist. Hierbei sollen bereits vorhandene zentrale und dezentrale (Cloud)-Infrastrukturen miteinander vernetzt werden. An dem veröffentlichten White-Paper hierzu arbeitete unter anderem Dr. Kai Martius (CTO von secunet und CEO von secustack) mit. Am 4. Juni wurde nun ein erster GAIA-X Demonstrator von der Cloud & Heat Technologies GmbH vorgestellt, bei der die kryptografischen Mechanismen von secustack stammen. Zu den Gründungsmitgliedern der Non-Profit-Organisation „GAIA-X“ gehören unter anderem die Deutsche Telekom, SAP, Siemens, Bosch, BMW, Orange oder Atoss an.

Ob sich diese europäische Lösung durchsetzt oder eine andere, ist natürlich offen. Fakt ist aber, dass Daten von deutschen Behörden oder kritischen Infrastrukturen nicht über die Cloud-Server der großen US-Anbieter laufen werden. Hier wird es eine sichere Alternative geben müssen. Dafür stellt secunet sich mit seinem Joint-Venture schon frühzeitig gut auf.

4. Risiken

4.1. Sicherheitslücken

Die Spezialisierung auf hochwertige Cybersecurity in hochsensiblen Branchen mit kritischen Infrastrukturen bietet auch hohe Risiken für das Geschäft von secunet. Eine Sicherheitslücke in den Produkten von secunet könnte schwerwiegende Folgen haben und das Vertrauen in diese Produkte nachhaltig erschüttern. Durch die mediale Präsenz von Cyber-Attacken auf Länder, Behörden und Unternehmen führt dies zwar zum einen zu einer höheren Sensibilisierung bei diesen Kunden, sollte dies allerdings auf Fehler von secunet zurückzuführen sein, hätte dies schwerwiegende Folgen für das Unternehmen. Zur Minimierung dieses Risikos findet in diesem Bereich ein umfassender Prozess der fortlaufenden Risikoidentifizierung und -evaluierung statt. Dieser Prozess der Überwachung und Lösung potenzieller technischer Sicherheitsrisiken wird in enger Abstimmung mit dem Entwicklungs- und Zulassungspartner BSI umgesetzt.

4.2. Wettbewerb

Als Folge der zunehmenden Aufmerksamkeit für das Thema IT-Sicherheit ist der Markt auch für andere Anbieter, die dort bisher nicht aktiv waren, attraktiv geworden. Zudem hat sich das Wettbewerbsumfeld in den vergangenen Jahren zunehmen konsolidiert. Aus einem vormals auf viele, kleinere Anbieter zersplitterten Markt hat sich eine Struktur mit größeren Marktteilnehmern entwickelt. Durch den technologischen Vorsprung und den hohen Umfang der Zulassungen bzw. Zertifizierungen durch das BSI, die EU und die NATO hat secunet hier allerdings vor allem im Bereich Public Sector einen Wettbewerbsvorteil. Wie bereits erwähnt ist die SINA-Produktfamilie das einzige IP-basierte Kryptosystem mit Zulassungen durch das BSI bis zum Geheimhaltungsgrad GEHEIM sowie internationalen Zulassungen für NATO SECRET und SECRET UE/EU SECRET.

Daher betrifft die erhöhte Wettbewerbsintensität vor allem den Bereich Business Sector. Aber auch hier dürfte das allgemeine Marktwachstum infolge des steigenden Bewusstseins für IT-Sicherheit genügend Wachstumschancen für mehrere Anbieter auf dem Markt ergeben.

4.3. Kundenstruktur

Secunet wickelt den Hauptteil seines Geschäfts mit Behörden und Organisationen aus dem öffentlichen Sektor ab. Dies macht secunet abhängig von Aufträgen aus diesem Bereich. Da secunet diese Behörden und Organisationen allerdings mit einem ganzheitlichen IT-Sicherheitssystem ausstattet, wäre eine Umstellung auf einen neuen Anbieter mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden. Gleichwohl sind zeitweilige Verschiebungen von erwarteten Beauftragungen möglich. Zum Beispiel in Zeiten der sogenannten vorläufigen Haushaltsführung, in denen Bundesbehörden lediglich in beschränktem Umfang Ausgaben tätigen können. Hierdurch kann innerhalb eines Jahres eine deutliche Verschiebung der Umsatzerlöse entstehen, Dienstleistungsumsätze können sogar vollständig ausfallen, da diese bei Vollauslastung der Kapazitäten nicht nachgeholt werden können. Behördliche Großprojekte unterstehen zudem oftmals einem langwierigen Prozess der Entscheidungsbildung, was die Vorhersehbarkeit der Umsatzerlöse einschränkt. Dies wurde zum Beispiel bei der Umsetzung der elektronischen Gesundheitskarte deutlich. Hierfür wurde bereits im Jahr 2004 die gesetzliche Grundlage geschaffen. Diese wurde allerdings erst 2015 flächendeckend eingeführt, die vollständige Umstellung aller Praxen und Kliniken erfolgte sogar erst 2019.

Um der Abhängigkeit der öffentlichen Auftraggeber zu entgehen, wird secunet auch weiter den Ausbau seiner Aktivitäten der Zielgruppe der privaten Wirtschaft forcieren.

5. Finanzielle Kennzahlen und Bewertung

5.1. Umsatzentwicklung

Im Geschäftsjahr 2019 sind die Umsatzerlöse des secunet-Konzerns von 163,3 Mio. € im Vorjahr um 63,6 Mio. € oder 39 % auf 226,9 Mio. € gewachsen. Zur Umsatzsteigerung haben sowohl der Geschäftsbereich Public Sector als auch Business Sector beigetragen. Der Umsatz im Bereich Public Sector ist um 15 % von 142,7 Mio. € auf 169,8 Mio. € gestiegen, im Bereich Business Sector gelang eine Steigerung um 254 % von 16,1 Mio. € auf 57,1 Mio. €. Dieser außergewöhnlich hohe Anstieg ist auf den Rollout des secunet Konnektors zurückzuführen. Dadurch ist der Anteil des Public Sectors am Gesamtumsatz auf 75 % gesunken (Vorjahr 90 %).

Innerhalb der letzten 5 Jahre konnte der Konzernumsatz von 91,1 Mio. € im Jahr 2015 auf 226,9 Mio. € im Jahr 2019 gesteigert werden. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Umsatzsteigerung (CAGR) von 20 % pro Jahr.

Quelle: secunet Jahresabschluss 2019

5.2. Ergebnisentwicklung

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) 2019 ist gegenüber dem Vorjahr um 23 % von 26,9 Mio. € auf 33,2 Mio. € angestiegen.

Das EBIT im Geschäftsbereich Public Sector stieg nur um 5 % von 26,.2 Mio. € auf 27,6 Mio. €. Die Ergebnisverbesserung ist unterproportional zur Umsatzverbesserung. Der Grund hierfür sind stärker gestiegene Umsatzkosten. Diese unterproportionale Entwicklung ist ungewöhnlich bei secunet. In den Vorjahren konnte das Ergebnis stets überproportional zum Umsatz gesteigert werden. Schon mit dem 1. Quartalsbericht 2020 gelingt secunet dies auch bereits wieder. Im Bereich Public Sector konnte der Umsatz um 24 % zum Vorjahr gesteigert werden und das EBIT stieg überproportional um 266 %. Auch die Prognoseanhebung für den Gesamtkonzern für das Jahr 2020 unterstreicht diesen Trend. Hier wurde die Umsatzprognose um 19 % erhöht und die Prognose für das EBIT um 44 %.

Im Geschäftsbereich Business Sector veränderte sich das EBIT 2019 von 0,7 Mio. € auf 5,6 Mio. € (über 700 %). Hier wirkten sich in erster Linie die durch den Rollout des Konnektors stark gestiegenen Umsatzerlöse aus.

Das EBIT konnte in den letzten 5 Jahren von 8,6 Mio. € in 2015 auf 33,2 Mio. € in 2019 gesteigert werden, was einer durchschnittlichen Steigerung von 31 % pro Jahr entspricht.

EBIT Entwicklung, Quelle: Jahresabschluss 2019

Die in 2019 leicht gesunkene EBIT-Marge lässt sich auf den hohen Umsatzanteil des secunet Konnektors zurückführen. Dieses Geschäft ist deutlich kompetitiver als das im Public Sector. Dies führt zu geringeren erzielbaren Margen. Da jedoch schon im Folgejahr das Geschäft im Public Sector wieder deutlich steigen soll lt. Prognoseanhebung, sollte sich die Marge langfristig wieder dem Niveau von 2018 annähern.

5.3. Bilanzanalyse

Absolut konnte das Eigenkapital seit 2013 von 33 Mio. € auf 78 Mio. € gesteigert werden. Die Eigenkapitalquote und -Rentabilität entwickelte sich wie folgt (in %):

Die liquiden Mittel betrugen zum 31.12.2019 64,4 Mio. € und machten damit über 34 % der gesamten Bilanzsumme aus.

Weder im Geschäftsjahr 2018 noch 2019 hat secunet Kredite aufgenommen, sondern alle Ausgaben aus liquiden Mitteln bestritten. Ältere Kredite bestehen ebenfalls nicht; damit liegt die Verschuldungsquote bei 0 %.

Die Gesellschaft steht wirtschaftlich und finanziell gut da: Das bisherige Wachstum wurde ohne Einbußen in der Profitabilität erreicht, es bestehen keine Kredite und der Bestand an liquiden Mitteln ist mit 64,4 Mio. € hoch. Dies sorgt dafür, dass der Konzern auch in schlechteren gesamtwirtschaftlichen Zeiten ohne Probleme überstehen kann. Zudem ist die gerade bei behördlichen Aufträgen ein Entscheidungskriterium.

5.5. KGV

Das durchschnittliche KGV der letzten 5 Jahre beträgt 33,1. Zum 31.12.2019 lag es bei 40,67.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern ein EBIT i.H.v. 48 Mio. €. Dies würde bei ähnlicher Steuerquote und Zinskosten ca. einem Gewinn pro Aktie von 4,94 € entsprechen. Bei einem aktuellen Kurs von 209 € (Stand 27.06.2020) liegt das KGVe 2020 bei 42,3 und damit oberhalb des historischen KGVs.

Aufgrund der nahezu einzigartigen Marktstellung von secunet in seinem Kernsegment Public Sector ist ein Peer-Group-Vergleich des KGV´s hier schwierig. Eine börsennotierte Firma mit einem ähnlichen Geschäftsmodell wäre die KEYW Holding Corp. die IT-Sicherheitslösungen u.a.  für die NSA entwickelt. Die Firma befindet sich allerdings seit 7 Jahren in der Verlustzone.

Der Ergebnisbeitrag des Business Sector ist aktuell noch zu gering um hier einen sinnvollen Vergleich mit den Wettbewerbern im Bereich Cybersecurity vornehmen zu können.

5.6. Bewertung mit dem PEG (Price / Earning to Growth)

Secunet ist ein Unternehmen welches in einer wachsenden Branche tätig ist und im Durchschnitt in den letzten 5 Jahren Umsatzseitig mit durchschnittlich 20 % und beim EBIT mit 31 % gewachsen ist. Daher handelt es sich um ein Wachstumsunternehmen, bei dem der reine Blick auf das KGV nicht aussagekräftig genug für die Bewertung ist. Zur Berücksichtigung des Wachstumsfaktors kann man das KGV beim sogenannten PEG-Ratio noch ins Verhältnis zum Wachstum setzen.

Bei einem geschätzten erwarteten Gewinn 2020 von 4,94 € pro Aktie würde dies eine Gewinnsteigerung um 43,6 % entsprechen. Setzt man dies ins Verhältnis zum unter Punkt 5.5 errechneten KGVe 2020 von 42,3 ergibt dies ein PEG-Ratio von 0,97. Damit wäre secunet nach den Kriterien des PEG-Ratios aktuell nahezu fair bewertet.

5.7. Bewertung mit dem DCF-Modell

Der Discounted-Cashflow-Ansatz bestimmt den Unternehmenswert durch Diskontierung zukünftiger Zahlungsströme. Zur Bewertung wurde eine Planungsperiode der Cashflow von 10 Jahren (2020 – 2029) geschätzt um dann in eine ewige Rente, dem sogenannten Terminal Value, überzugehen.

Zur Planung des Cashflows ist die zukünftige Entwicklung des Unternehmens abzuschätzen. Daher wurden hier einmal 3 mögliche Szenarien entwickelt und der dann daraus faire Wert nach DFC-Analyse ermittelt.

Anmerkung: Das Hauptgeschäft von secunet mit öffentlichen Auftraggebern ist sehr schwer kalkulier- und einschätzbar. Schon geringfügige Änderungen der unten aufgestellten Annahmen kann zu großen Änderungen im Ergebnis führen.

Best-Case

Secunet wächst weiter wie in der Vergangenheit. Von 2020 – 2024 schaffen sie es mit 30 % pro Jahr zu wachsen. Erst dann setzt langsam eine Marktsättigung ein und das Wachstum verringert sich um 5 Prozentpunkte pro Jahr, sodass sie 2029 noch einmal mit 5 % wachsen und anschließend mit der langfristigen Wachstumsrate von 1,7 %.

Mid-Case

Secunet erreicht das prognostizierte EBIT für 2020. Ab 2021 wächst das EBIT jährlich um 3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Gestartet wird 2021 mit dem durchschnittlichen EBIT-Wachstum der letzten 5 Jahre i.H.v. 30 % abzüglich der ersten 3 %. Also 2021 27 % EBIT-Steigerung jährlich sinkend auf lediglich 3 % Wachstum in 2029. Ab 2029 wird von einer langfristigen Wachstumsrate für den Terminal Value von 1,7 % ausgegangen.

Worst Case

Die in 2020 bestellten Geräte werden ausgeliefert. Die Prognose 2020 wird daher erreicht. Die Geräte stellen sich jedoch als fehlerbehaftet heraus. Das Vertrauensverhältnis zwischen secunet und der Bundesregierung wird dadurch gestört. Neue Bestellungen bleiben für 2021 aus. Das EBIT bricht im Vergleich zum Vorjahr um 50 % ein. Von dieser niedrigeren Basis gelingt secunet durch den Fokus auf neue Kunden und Anwendungsfelder 2022 wieder langsam sein EBIT zu steigern. Beginnend mit 15 % und langsam steigend um 2 weitere Prozentpunkte pro Jahr bis 2029.

Um das Best-Case Szenario zu erreichen, müsste es secunet gelingen, seine Hochsicherheitslösung SINA zusätzlich an weitere Top-Kunden neben der Bundesregierung und internationalen Organisationen zu liefern. Ob sich andere Regierungen mit einem deutschen System in diesem Bereich ausstatten lassen würden, ist jedoch fraglich. Weitere mögliche Kunden in Deutschland sind die Betreiber kritischer Infrastrukturen, welche durch die weitere Stärkung des IT-Sicherheitsgesetzes dazu gedrängt werden, ihre Infrastruktur ähnlich sicher wie die Bundesregierung zu gestalten. Auch eine stärkere Expansion in den Business Sector bietet für secunet noch enormes Potenzial, allerdings zu niedrigeren Margen als im Public Sector.

Das Worst-Case Szenario ist zwar möglich, jedoch eher unwahrscheinlich. Die Geräte von secunet werden zusammen mit dem BSI entwickelt und auch von diesem zertifiziert. Würden diese also Fehler aufweisen, wäre dies zum gleichen Teil auch Schuld der Bundesregierung und sie müssten eingestehen, dass deren Zertifizierungen nicht zuverlässig sind. Auch die breite Ausstattung der SINA Produkte in den Regierungen würde einen kurzfristigen Austausch unwahrscheinlich machen, denn vergleichbare Systeme mit diesen Zertifizierungen gibt es aktuell von keinem weiteren Anbieter. Ein Austausch würde sich also wohl über Jahre ziehen und solange muss weiterhin der sicherere Datenaustausch gewährleistet sein.

6. Eine mögliche S-Dax Aufnahme der Secunet Aktie

Trotz des geringen Freefloats von 10,63 % würde dies die Kriterien für die Aufnahme in den S-Dax erfüllen (mind. 10 %). Die Zweite Voraussetzung für die Aufnahme in den S-DAX ist der Orderbuchumsatz in XETRA und dem Parkett in Frankfurt. Diese beiden Werte veröffentlich die Deutsche Börse monatlich auf sogenannten Ranglisten. In der am 03. Juli 2020 veröffentlichten Rangliste rangiert secunet hinsichtlich der Marktkapitalisierung auf Rang 160 und damit bereits vor 7 aktuellen S-Dax Vertretern. Beim Orderbuchumsatz rangieren sie aktuell noch auf Platz 190.

Kurz- bis mittelfristig besteht daher die Möglichkeit für secunet in den S-Dax aufgenommen zu werden. Dies würde für die Aktie noch einmal zusätzliche Aufmerksamkeit bedeuten durch Analysten, aber auch durch ETFs die den S-DAX physisch replizieren.

7. Fazit

Secunet agiert im Megatrend Cybersecurity und ist damit in einem stark wachsenden Markt tätig. Als Spezialist für hochsichere IT-Lösungen für kritische Infrastrukturen kann sich Secunet von anderen größeren Anbietern für Cybersecurity deutlich differenzieren. Mit seinen zahlreichen Zertifizierungsgraden und Zulassungen verfügt Secunet in seiner Nische über einen Burggraben, der nur schwer für potentielle Wettbewerber penetrierbar ist. Dabei spielt auch eine wesentliche Rolle, dass Secunet Lösungen bereits bei vielen öffentlichen Auftraggebern etabliert und schwer ersetzbar sind. Secunet kann insbesondere auch deshalb überproportional hohe Margen bei seinen Aufträgen durchsetzen.

Durch Covid-19 Effekte dürfte sich die Installationsbasis noch einmal deutlich erhöhen und auch der Bereich eGovernment steckt in Deutschland gerade erst in den Kinderschuhen. Die Abhängigkeit von den öffentlichen Auftraggebern stellt für den Konzern allerdings auch ein Risiko dar, das Secunet jedoch durch zunehmende Fokussierung auf den privatwirtschaftlichen Sektor und starkes Umsatzwachstum in diesem Bereich zunehmend diversifiziert. Die Sensibilisierung für Cyberattacken in Unternehmen nimmt weiter zu und gerade Betreiber kritischer Infrastrukturen sind auf Hochsicherheitslösungen angewiesen bzw. werden durch das IT-Sicherheitsgesetz dazu aufgefordert, ihre IT-Sicherheit auf den neuesten Stand zu bringen. Auch Mittelständler nehmen zunehmend die Gefahr der Wirtschaftsspionage wahr und wollen ihr Know-how bestmöglich schützen.

Der secunet Konnektor im Gesundheitsbereich wurde erfolgreich eingeführt und der wachsende Markt „Internet of Things“ wird von secunet mit seinen Lösungen besetzt. Das Thema „sicheres Cloud Computing“ wird von secunets Joint Venture secustack besetzt und hat bereits bei der europäischen Lösungsvariante „Gaia-X“ einen Fuß in der Tür. Es bleibt jedoch zu bedenken, dass die Margen im Business Bereich aufgrund höherer Konkurrenz geringer sein dürften.

Die secunet Aktie hat sich in den vergangenen Jahren bereits sehr gut entwickelt. Der Markt hat viele der genannten Chancen bereits erkannt und entsprechend in die Aktie eingepreist. Alles in allem erscheint Secunet Aktie mit dem vorhandenen Burggraben, dem hohen durchschnittlichen Wachstum und einer überzeugenden Profitabilität in einer Spanne von 200 – 220 € fair bewertet zu sein. Mit einem möglichen S-Dax Aufstieg existiert ein potentieller Katalysator, um weiterhin und vermehrt Investorengelder anzulocken. Wie im Mid-Case Szenario dargestellt, muss secunet jedoch weiterhin liefern und wachsen, um einen weiteren Anstieg des Kurses zu rechtfertigen.

Responses

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